Die Familienhelfer: Max braucht Grenzen und Ansprache

Die Familienhelfer : Max braucht Grenzen und Ansprache

Frau N., eine junge alleinerziehende Mutter, kommt aufgeregt in die Beratungsstelle und will über die Probleme mit ihrem Sohn Max sprechen.

Max ist neun Jahre alt und will sich von der Mutter nichts sagen lassen. Frau N. sagt dann mehrmals, was sie von ihm will. Sie sagt das immer wieder, wird dann gereizt und hat zunehmend das Gefühl, nichts bei ihm zu erreichen: "Der hört mich nicht!".

Wir sprechen über ihr Gefühl der Hilflosigkeit — wo soll das nur enden, wenn ich ihn jetzt schon kaum noch erreiche? Aus ihrem Gefühl der Hilflosigkeit heraus ist sie bereit, ihrem Sohn sehr weit entgegenzugehen. Das führt in der Folge dazu, dass er sich weiter entfernt, um die Grenzen seiner Mutter zu testen. Frau N. will die Situation so schnell wie möglich ändern.

Ich vereinbare mit ihr als die erste Veränderung, dass Frau N. ihre Ansagen an Max nur einmal formuliert. So gibt sie ihren Aussagen mehr Gewicht im Kontakt mit ihrem Sohn. Sie führt die Auseinandersetzung mit ihm auf diese Weise zeitnah und konzentrierter.

Frau N. berichtet in der Folge, dass die Auseinandersetzungen mit ihm jetzt anstrengender sind, aber beide sich zunehmend zuhören und ansehen können im Gespräch.

Als weiteren Schritt besprechen wir, dass Frau N. ihrem Sohn Max deutlich beschreibt, was sie möchte und diese Ziele positiv formuliert. Häufig hat sie deutlich gesagt, was sie nicht will und ihren Sohn damit möglicherweise irritiert. Jetzt sagt sie, was sie als Ergebnis erreichen will und bezieht ihren Sohn damit in die Entscheidungen ein: Statt: "Komm nicht wieder zu spät! sagt sie "Komme bitte um 18 Uhr nach Hause, dann setzen wir uns und essen gemütlich zu Abend".

In den nächsten Wochen reden Frau N. und Max wieder viel mehr miteinander und planen sie beide betreffenden Dinge gemeinsam. So fühlt sich Max einbezogen und entwickelt einen Spaß daran, Ideen zu haben und auf das Zusammenleben positiven Einfluss zu nehmen. Auch die Stimmung im Zusammenleben hat sich deutlich verändert und ist entspannter geworden.
Frau N. geht es damit viel besser als zu Beginn der Beratung. Sie kommt jetzt nur noch in längeren Abständen in die Beratungsstelle, um das neue Verhalten weiter einzuüben und den gestarteten Veränderungsprozess in Gang zu halten.

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