Helge Schneider Tour 2018/2019 und Interview

Helge Schneider im Interview : „Lachend in die Kreissäge“

Mit dem Gaga-Song "Katzeklo" wurde Helge Schneider vor über 20 Jahren berühmt. Heute gehört das Multitalent aus Mülheim an der Ruhr zu den beliebtesten Komikern der Deutschen. Seine neue Konzertreihe unter dem Motto "Ene Mene Mopel" verspricht eine Mixtur aus intelligenter Unterhaltung und Nonsens.

Olaf Neumann sprach mit Helge Schneider über verbogene Platten, Politik und ungebrochenen Optimismus.

Helge, unter dem Bandnamen The Thunderspotniks arbeiten Sie gerade an einer Platte mit Randy Hansen. Ihre Musik nennen Sie "Psychoblues". Der Amerikaner gilt weltweit als einer der besten Jimi-Hendrix-Interpreten. Hat er Ihnen ein paar Tricks gezeigt?
Nein. Er spielt den ganzen Tag vor sich hin und entwickelt Sachen. Aber man muss sich Zeit nehmen. Wir müssen noch einmal hier ins Studio und dann kann man davon vielleicht eine Schallplatte machen. Ich kann Randy nicht mit auf Tour nehmen, ich muss das trennen. In meiner Show bin ich Komiker, aber mein Herz schlägt für die Musik.

Welcher Song hat Sie zur Musik bekehrt?
"Serenade To A Cuckoo" von Roland Kirk. Er spielte Querflöte und Saxofon, er sang und prustete dabei.

Haben Sie noch eine Plattensammlung?
Ja, habe ich. Aber wenn Platten jahrelang im Regal stehen, werden sie manchmal krumm. Das ärgert mich. Ich besitze eine schöne Pink-Floyd-Platte, aber man kann sie sich nicht mehr anhören. Ich habe sie warm gemacht, aber sie hat ihre ursprüngliche Form nicht mehr angenommen

Noch immer Spaß am Leben auf Tour?
Ja, weil ich die richtige Kapelle zusammengestellt habe. Mit Peter Thoms am Schlagzeug kann eigentlich nichts schief gehen, weil da alles schief geht. Carlos und Sergej Gleithmann habe ich als Chor abgestellt. Und Rudi Olbrich ist mittlerweile 85. Man muss so lange mit ihm spielen, so lange er noch zupfen kann. Wenn er 104 ist, bin ich erst 80. Für die letzten 20 Jahre muss ich mir noch einen anderen Bassisten suchen. Aber dann will ich mal junge Leute nehmen.

Das Motto Ihrer Tournee — "Ene Mene Mopel" — ist einem Kinderreim entliehen. Haben Sie schon als Kind Ihre Mitschüler mit lustigen Abzählreimen unterhalten?
Nein, überhaupt nicht. Das ist mir so eingefallen. Das ist einfach so blöd und so kurz. Und siehe da: Es wird schon wieder etwas reininterpretiert.

Wie waren Sie als Kind?
Ich habe die Leute genervt, indem ich immer Fratzen gezogen oder ihren Gang nachgeahmt habe. Ich war schon eine ziemliche Nervensäge.

Sie haben Ihren Lehrer als Nazi entlarvt.
1966 hat man darüber in Deutschland nicht viel gesprochen. Ich hatte von keinem erfahren, was das Dritte Reich für eine Zeit war. Bei uns Zuhause wurde darüber nicht geredet. Mit Ausnahme meines Onkels. Ich erinnere mich an ein Weihnachten. An der Wand hing ein Foto von ihm in SS-Uniform. Ich fragte meinen Onkel, ob er das sei und er antwortete: "Der Adolf war der größte Betrüger". Mehr habe ich nicht erfahren. Betrüger wahrscheinlich in dem Sinne, dass die Deutschen den Krieg verloren haben. Hitler hatte ja versprochen, dass wir ihn gewinnen.

Hat die 68er-Bewegung Sie schließlich politisiert?
Ich wollte eigentlich in die SDAJ eintreten, eine Untergruppe der DKP. Die hatten einen Proberaum, in der ich mit meiner Band Musik machen wollte. Außerdem wollte ich gerne kiffen. Das war ihnen zu wenig und sie haben mich abgelehnt. So bin ich der Politisierung entkommen und habe mir mein eigenes Bild gemacht.

Haben Ihnen die Drogen neue Horizonte eröffnet?
Sie machten mich nur einsam. Ich habe damals extrem viel gekifft und irgendwann gemerkt, dass ich mit meiner wahnsinnigen Überheblichkeit ziemlich alleine dastand. Irgendwann wurde ich dagegen allergisch.

Haben Sie sich trotz allem Ihren Optimismus bewahrt?
Ich muss anscheinend Optimismus haben, ich habe ja auch kleine Kinder. Die sind sehr optimistisch und saugen alles auf, was es gibt. Kinder sind Aufnehmer der Zukunft. Da kannst du nicht pessimistisch sein. Das Lachen ist eine der größten Herausforderungen. Lachend in die Kreissäge — so ist unser Leben.

Steckt hinter Ihren skurrilen Liedern und Improvisationen eine tiefgründige Botschaft, die Sie den Leuten ins Unterbewusstsein injizieren, damit sie ihr Leben danach gestalten?
Ich möchte darauf antworten wie die von AC/DC: Das ist nicht mein Geschäft! Mein Geschäft ist, die Leute zum Lachen zu bringen. Vielleicht ist allein das schon politisch.

Helge Schneider ist zurzeit auf Tour. Die genauen Termine gibt es hier. Im Februar 2019 gastiert der Komiker in der Tonhalle Düsseldorf.

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