FiftyFifty Düsseldorf: Kinderbuch über das Leben auf der Straße

"Die Unsichtbaren" : Kinderbuch übers Leben auf der Straße

Kindgerecht erklärt das Buch "Die Unsichtbaren" von Studentin Sebnem Aydinözü, wie es zu Obdachlosigkeit kommen kann und wie das Leben auf der Straße funktioniert. Mit ihrem Werk will die 21-jährige Studentin mit Vorurteilen aufräumen und auch Kinder über Wohnungslosigkeit und deren Konsequenzen informieren.

"Ziel des Buches ist, dass wir damit auch junge Menschen über die krasseste Form der Armut in Deutschland informieren", erklärt Hubert Ostendorf, Gründer, Geschäftsführer und leitender Redakteur des Obdachlosenmagazins "FiftyFifty". So sollen in Zukunft über das kindgerecht illustrierte, soeben erschienene Buch auch Kinder erfahren können, wie es zu Obdachlosigkeit kommen kann und welche Gefahren das Leben auf der Straße mit sich bringt. Aber auch, welche Hilfssysteme Obdachlosen in Düsseldorf angeboten werden.

Entwickelt wurde Ostendorfs Idee zu diesem Buch schließlich an der Hochschule Düsseldorf, dort im Fachbereich Design. Das angebotene Social Design-Seminar "Macht Sinn" von Professor Wilfried Korfmacher engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Obdachlosenzeitung "FiftyFifty", entwirft etwa Motive und Kampagnen, und trifft sich jährlich in der fiftyfifty-Galerie, um dort neue Ideen gemeinsam mit Obdachlosen und den Herausgebern der Obdachlosenzeitung zu entwickeln.

Herausgekommen ist dabei diesmal unter anderem das von Sebnem Aydinözü (21) geschriebene, 40-seitige Buch, das überdies zahlreiche Illustrationen der Autorin beinhaltet. "Über das Seminar bin ich unmittelbar mit dem gesellschaftlichen Problem der Obdachlosigkeit in Verbindung gekommen", erklärt Aydinözü, die im fünften Semester Kommunikations-Design an der Hochschule Düsseldorf studiert. Dabei ist der Titel des Buches nicht zufällig gewählt: "Mit dem Buch möchte ich versuchen, die Unsichtbaren der Gesellschaft sichtbar zu machen." So, wie den von ihr entworfenen Protagonisten Benni, der gemeinsam mit seinem Hund Shana auf der Straße lebt und den das Buch literarisch begleitet.

Für den stand der 28-jährige Chris Pate. Vermittelt über eine Sozialarbeiterin, begleitete die Studentin den obdachlosen Düsseldorfer und traf sich mit ihm zu Gesprächen, um so eine möglichst authentische Geschichte entwickeln zu können. Dabei erlangte die Studentin nicht nur Einblicke in das Leben eines Wohnungslosen, auch ihre eigenen Vorurteile musste sie bei der Arbeit am Buch revidieren: "Mir wurde schon von klein auf vermittelt, Obdachlose zu meiden und ihnen kein Geld zu geben", erklärt die Studentin. Denn das, so ein gängiges Vorurteil, gäben sie nur für Alkohol und Drogen aus. Ein Ressentiment, das Aydinözü während der Arbeit an ihrem Buch nicht nur nicht bestätigt sah, sondern für die Autorin ein Ansporn zu gleich darstellt. Denn mit ihrem Buch wolle sie auch bei den Lesern ein Umdenken erreichen. Und das gleich generationsübergreifend. "Denn wenn Erwachsene das Buch ihren Kindern vorlesen, so überdenken auch die im besten Fall ihre Meinung und können aufgebauten Vorurteilen begegnen."

Das Buch, das nun in einer Auflagenhöhe von 10.000 Exemplaren erschienen ist, thematisiert nicht nur den Weg in die Obdachlosigkeit, sondern auch den Zustand, auf der Straße leben zu müssen. Gleichzeitig führt es die Hilfsmöglichkeiten auf, die Obdachlose in Anspruch nehmen können. Darunter auch das einer kostenfreien ärztlichen Behandlung.

"Das Buch hat alle meine Erwartungen übertroffen", resümiert Chris seine Rolle als Protagonistenpate. Auch er wird in Zukunft das Buch neben der Obdachlosenzeitung "FiftyFifty" verkaufen. Und auch hier gilt: die Hälfte des Verkaufserlöses darf er behalten, um so eine finanzielle Grundlage für sein Leben auf der Straße erwirtschaften zu können.

(Sven-André Dreyer, sad, sdr)