Düsseldorfer Ärztekammer-Chef warnt vor Klinikreform Gegen die Wand

Die Ärztekammer Nordrhein warnt vor einer Eins-zu-eins-Umsetzung der vorliegenden Vorschläge der Bundesregierung zur Krankenhausreform. „Die Empfehlungen der Regierungskommission führen in ihrer derzeitigen Ausrichtung zu einer erheblichen Ausdünnung der Krankenhauslandschaft, wie die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Auftrag gegebene Auswirkungsanalyse zeigt,“ sagte Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer, in Düsseldorf.

 Geburt in der Klinik - „Das läuft auf eine Wartelistenmedizin hinaus.“

Geburt in der Klinik - „Das läuft auf eine Wartelistenmedizin hinaus.“

Foto: Pixabay

„Bleibt es bei den Vorschlägen, müssen in NRW beispielsweise über die Hälfte der Geburtskliniken geschlossen werden. Auch die Notfallversorgung bei Herzinfarkt oder Schlaganfall wird laut Reformvorschlag stark ausgedünnt“, so der Kammerpräsident. „Aus meiner Sicht läuft das leider auf eine Wartelistenmedizin hinaus, die in England gerade für alle sichtbar gegen die Wand fährt.“ Bei allem Reformeifer: die Versorgungssicherheit der Bevölkerung müsse an erster Stelle stehen.

„So sehr wir eine Krankenhausreform befürworten, so sehr appellieren wir jetzt an alle Beteiligten in den Bund-Länder-Arbeitsgruppen, von der völlig unnötigen neuen Einteilung der Häuser in starre Level und daran geknüpfte Leistungsgruppen abzusehen,“ so Henke weiter. „Krankenhausplanung kann man nicht am grünen Tisch machen, sondern sie muss von den Akteuren vor Ort gestaltet werden.“ In NRW habe man im Konsens eine Planungssystematik entwickelt, die einerseits zu gewollten Spezialisierungen einzelner Häuser führe, andererseits aber eine wohnortnahe und verlässliche Daseinsvorsorge durch die Krankenhäuser ermögliche.

„Wir brauchen in den Kliniken für unsere immer älter werdenden Patienten mehr Zeit, mehr Zuwendung und das Personal muss von selbstruinösen Arbeitszeiten befreit werden. Das bekommen wir nur dann hin, wenn die Kliniken aus dem Hamsterrad der Mengenausweitung kommen“, sagte Henke. Denn zurzeit würden nur die Leistungen finanziert, die die Kliniken erbringen, nicht aber das Vorhalten von Personal und Ausstattung. „Wir begrüßen daher den Einstieg in eine Finanzierung der Vorhaltekosten, die sich aus unserer Sicht aber stärker an den Erfordernissen der Notfallversorgung orientieren sollte.

Das Parlament der Nordrheinischen Ärzteschaft wird sich am 11. März auf seiner Kammerversammlung mit den Folgen vorgeschlagenen Reform sowohl für den stationären wie auch für den ambulanten Sektor intensiv befassen und Eckpunkte für eine Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft aus Sicht der Ärzteschaft definieren. „Wir alle wollen uns konstruktiv einbringen, damit die Reform ein Erfolg wird,“ so Henke.

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