1. Düsseldorf

In Düsseldorf wurde eine Straße nach der Kinderärztin Erna Eckstein benannt

Straßenbenennung : Erinnerung an Erna Eckstein

Anlässlich ihres 125. Geburtstages erinnert im Neubaugebiet auf dem ehemaligen Hasenclevergelände an der Witzelstraße nun eine Straße an die Kinderärztin Erna Eckstein.

Mit einer kleinen Feierstunde würdigte die Bezirksvertretung 3 (Oberbilk, Bilk, Friedrichstadt, Unterbilk, Hafen, Hamm, Volmerswerth, Flehe) am Montag, 29. Juni, das segensreiche Wirken der Mitbegründerin der Medizinischen Akademie Düsseldorf. Bezirksvorsteher Markus Siegesmund und die Initiatorin der Straßenbenennung, Antje Olivier, enthüllten gemeinsam das Straßenschild.

In dem Neubaugebiet sind unter anderem Wohnungen für Bedienstete des Universitätsklinikums entstanden. Erna Eckstein wurde am 28. Juni 1895 in Dresden geboren. Ihre Eltern waren der Pionier der Kinderheilkunde Arthur Schloßmann (1867 -1932) und die Dozentin an der Niederrheinischen Frauenakademie, Clara Bondi. Ihr Vater hatte in seiner Heimatstadt Dresden bereits 1894 in seiner Praxis eine Poliklinik für Kinderheilkunde gegründet.

Seit 1906 übernahm er als stellvertretender Direktor die neu gegründete Akademie für praktische Medizin in Düsseldorf, aus der die Städtischen Krankenanstalten und später die Heinrich-Heine-Universität hervorgingen. Zugleich war er Direktor der Kinderklinik. Ab 1909 leitete er auch die Infektionsklinik und forschte über Tuberkulose, Masern, Scharlach und Diphtherie. Damit Erna Schloßmann Medizin studieren konnte, musste sie von 1915 bis 1918 nach Heidelberg, Bonn und München gehen. Denn in Düsseldorf wurden vor 1919 keine Ärzte ausgebildet. Das änderte sich, nachdem Erna Schloßmann 1919 mit 25 weiteren Studenten den Antrag auf Zulassung an der Medizinischen Akademie Düsseldorf stellte.

Arthur Schloßmann war als Abgeordneter des Preußischen Landtags für die Demokratische Partei an der politischen Durchsetzung der Zulassung beteiligt. Erna Schloßmann war eine der ersten vier Frauen, die das Medizinstudium in Düsseldorf aufnahmen. 1920 promovierte sie und übernahm von 1923 bis 1926 die Leitung des Auguste-Viktoria-Hauses, der Säuglings- und Kinderpflegeanstalt Düsseldorf.

Erna Schloßmann heiratete 1925 den Oberarzt der Kinderklinik, Dr. Albert Eckstein. Auf der legendären Gesundheitsmesse Gesolei übernahm die Kinderärztin 1926 die Leitung eines Muster-Säuglingshauses. Nach dem Tod ihres Vater übernahm ihr Mann die Leitung der Kinderklinik. Doch sah sich das Ehepaar ab 1933 rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, weshalb Dr. Eckstein 1935 seine Arbeit in Düsseldorf aufgeben musste.

Mit ihren drei Söhnen emigrierte die Familie nach Ankara/Türkei. Dort unternahmen sie ausgedehnte Forschungsreisen, unter anderem nach Anatolien, und widmeten sich dem Kampf gegen Malaria, Tuberkulose und mangelnde Hygiene. Außerdem bauten sie in Ankara an einem Musterkrankenhaus eine Kinderklinik auf. 1948 kehrte die Familie nach Deutschland zurück, und Prof. Dr. Albert Eckstein übernahm 1950 die Leitung der Kinderklinik in Hamburg-Eppendorf. Doch im gleichen Jahr starb er an einem allergischen Schock.

Nach dem Motto "Behandle jedes Kind, als sei es dein eigenes" führte Erna Eckstein die Arbeit ihres Mannes nach dessen Tod weiter, publizierte in zahlreichen Fachzeitschriften und war Mitherausgeberin des "Handbuchs für Kinderheilkunde". In Düsseldorf baute sie ein Hygienemuseum auf, außerdem arbeitete sie für die UNESCO. 1954 kehrte sie in die Türkei zurück, um dort beim Aufbau einer weiteren Kinderklinik mitzuhelfen.

Im gleichen Jahr ändert sie ihren Namen in Erna Eckstein-Schlossmann. 1963 verließ sie die Türkei und fand in Cambridge/England einen neue Heimat. In Würdigung ihrer Verdienste ernannte die Heinrich-Heine-Universität sie 1988 zur Ehrensenatorin, 1994 wurde sie zudem zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ernannt. Erna Eckstein starb mit 102 Jahren am 19. März 1998 in Cambridge.