Diabeteszentrum am St. Martinus Krankenhaus: Individuelle Therapie für Diabetiker

Diabeteszentrum am St. Martinus Krankenhaus : Individuelle Therapie für Diabetiker

Mehr als 45.000 Düsseldorfer sind von Diabetes betroffen. Am St. Martinus Krankenhaus befindet sich das zertifizierte Diabeteszentrum. Der Düsseldorfer Anzeiger traf Oberarzt Dr. Jan Gewaltig sowie Ernährungs- und Diabetesberaterin Antje Bertram zum Gespräch.

Diabetes mellitus gilt als Volkskrankheit Nummer 1. Verharmlost der Begriff "Volkskrankheit" nicht total?
Dr. Jan Gewaltig: Der Begriff 'Krankheit' zeigt, dass es keine harmlose Sache ist. Längst ist klar, dass es sich um eine ernst zu nehmende Krankheit handelt, die unter Umständen lebensverkürzend ist.

Woran merkt man, dass man Diabetes hat?
Dr. Gewaltig: Das ist gerade das Tückische an Diabetes. Wir unterscheiden zwei große Gruppen: Der Typ 1 tritt vornehmlich im jugendlichen bzw. jüngeren Alter auf. Der Typ 2 - früher 'Altersdiabetes' genannt, geht häufig ohne Symptome einher. In Kontrolluntersuchungen oder bei eventuell schon auftretenden Folge-Erkrankungen wird er dann festgestellt.

Kann man Diabetes verhindern?
Dr. Gewaltig: Verhindern? Jein! Diabetes ist zum Teil genetisch bedingt. Aber durch einen gewissen Lebenswandel kann man die Erkrankung hinauszögern und stellenweise verhindern.

Sie haben das Diabeteszentrum DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft). Heißt das, Sie können hier Patienten mit Diabetes besser behandeln als andere Krankenhäuser?
Dr. Gewaltig: "Besser" klingt ein bisschen anmaßend. Aber hier sind die Strukturen und personellen Qualifikationen besser, so dass wir das sicher besser im Griff haben, als andere Krankenhäuser, die sich dem Thema nicht widmen.

Richten Sie sich mit Ihrem Zentrum ausschließlich an stationäre Patienten?
Dr. Gewaltig: Ja, von Privat versicherte Patienten abgesehen. Eine ambulante Zulassung haben wir leider nicht von der Krankenkasse. Dafür ist aber auch das Netz der ambulanten Schwerpunktpraxen in Düsseldorf relativ dicht.

Ein besonderes Augenmerk liegt in Ihrem Haus auf der Behandlung der gefürchteten Spätfolgen von Diabetes — etwa Wundheilungsstörungen, Nierenschädigung oder Erkrankungen der Augen. Wir hätten gedacht, dass es so weit heute gar nicht mehr kommen muss.
Dr. Gewaltig: Die Diabetiker vom Typ 2, die erst spät diagnostiziert werden, und lange mit einem zu hohen Zucker unbehandelt bleiben, weisen häufig schwerwiegende Komplikationen auf. Häufig lassen sich aber auch bei einer guten Therapie Spätkomplikationen nicht vermeiden. Das ist dem natürlichen Fortschreiten der Erkrankung geschuldet. Und: Folge-Erkrankungen sind meines Erachtens nie komplett zu vermeiden. Hier ist es umso wichtiger, diese auch früh zu entdecken und einzudämmen.

Auch Gewichtsreduktionsprogramme zählen Sie zu Ihren besonderen Kompetenzen. Bringt es denn abnehmen noch etwas, wenn man schon Diabetes hat?
Dr. Gewaltig: Ja, absolut! Gewichtsabnahme und Veränderung des Lebensstils stehen beim Typ 2-Diabetes an erster Stelle. Bewegung senkt die Insulinresistenz. Dadurch wird der Körper empfänglicher für Insulin, was wiederum den Blutzuckerspiegel günstig beeinflusst. Und auch bei Nicht-Diabetikern fördert die Gewichtsabnahme die Gesundheit!

Eine Diät ist das eine, eine Ernährungsumstellung das andere. Frau Bertram, wie schwierig ist es denn, Menschen in Sachen Ernährung umzukrempeln?
Antje Bertram: Es ist immer schwierig, Lebensgewohnheiten zu verändern.
Wenn die Leute mit Folge-Schäden zu uns ins Haus kommen, haben sie auch schon ein fortgeschrittenes Krankheitserlebnis. Meine Aufgabe ist es dann, u. a. im Gespräch herauszufinden, wo sie stehen.
Wie weit ist die Krankheit fortgeschritten? Wozu sind sie bereit? Das muss man in Einzelgesprächen abklopfen. Jedes Pfund, was ein Patient abnimmt, ist gut für die Blutzuckerwerte.

Was sind denn die größten Ernährungsfehler?
Bertram: Ganz allgemein die Portionsgrößen. Sehr häufig zu viel Fett. Zu viel zuckerhaltige Getränke. Fast Food. Mit einer gesunden Mischkost wäre normalerweise schon der erste Schritt in die richtige Richtung getan.
Dr. Gewaltig: Um es auf eine ganz einfache Formel zu bringen: Zu viel rein an Kalorien und zu wenig raus an Kalorien.

Herr Dr. Gewaltig, wie ist hier Ihre Erfahrung als Arzt? Wie nehmen Patienten Ernährungs-Ratschläge an?
Dr. Gewaltig: Sehr individuell. Die persönliche Motivation, etwas zu machen oder nicht zu machen ist sehr unterschiedlich. Und deshalb müssen wir oft ein individuelles Therapiekonzept für den Patienten erstellen.

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