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Düsseldorfs Königsallee im Nationalsozialismus

Düsseldorfs Königsallee im Nationalsozialismus
FOTO: ho
Die Düsseldorfer Königsallee im Nationalsozialismus? Mit "Macht und Pracht", dem achten Band der Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte schlägt die Historikerin Hildegard Jakobs ein ganz neues Kapitel der Düsseldorfer Stadtgeschichte auf. Von Yvonne Hofer

Dr. Manfred Droste ist in diesem Jahr 90 geworden. In seinem Verlag erscheint die Buch-Reihe der Mahn- und Gedenkstätte. Er selbst erinnert sich an die Pogromnacht 1938. An die Zerstörung, "an das Schwelen der Synagoge an der Kasernenstraße". Er sagt: "Für einen Elfjährigen ein bedrückendes Erlebnis." Auch an den Schokoladenladen von Hugo Wilhelm kann er sich erinnern.

Hildegard Jakobs ist stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte. Das Schicksal von Hugo Wilhelm gehört zu den Schicksalen zahlreicher Düsseldorfer Juden, das sie anhand eines Adressverzeichnisses für die Königsallee nachgezeichnet hat. Und wohl das traurigste Schicksal. "Der Stürmer", das Propaganda-Blatt der Nazis aus Nürnberg, hatte zum Boykott seines Ladens aufgerufen. "Außerdem veranlasste das Finanzamt eine Rückprüfung für die vergangenen 15 Jahre", so Jakobs. Hugo Wilhelm sah keinen Ausweg und floh nach Österreich. "Dort beging er 1938 Selbstmord." Weil die Nazis das Land kassiert hatten.

"Die Nationalsozialisten", sagt Jakobs, "haben versucht, die Kö für ihre Propaganda zu missbrauchen." Schließlich war der Prachtboulevard damals schon beliebt. Wie auch die Figur der Ballwerferin im Kö-Gärtchen. So sehr, dass die Nazis die Skulptur nicht einfach entfernen konnten. "Deshalb wurde das Namensschild des jüdischen Stifters entfernt."

Die Klammer für Hildegard Jakobs Arbeit bildet das Parkhotel. "Da hat der Nationalsozialismus in Düsseldorf begonnen und geendet." 1932 war Adolf Hitler dort im Industrieclub, um Geld zu sammeln. Einen Tag vor Kriegsende fand dort ein Standgericht statt. Polizeioberstleutnant Franz Jürgens wurde des "Kriegsverrats" für schuldig befunden und noch am gleichen Abend mit vier weiteren Männern in der Schule an der Färberstraße erschossen. Erst Jahre später wurden die Widerstandskämpfer rehabilitiert. Die Idee zum Buch, sagt Jakobs, hatte Dr. Bastian Fleermann, der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte. Das Ergebnis zeigt die dunklen Kapitel eines Prachtboulevards.

"So viel Unheil in so wenigen Jahren", sagt Dr. Manfred Droste und erinnert sich immer noch an den Brandgeruch von 1938.