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"Das schnürt einem die Kehle zu"

"Das schnürt einem die Kehle zu"
Christian Ehring steht zusammen mit Angelika Fröhling neben dem Flüchtlingsboot, das die Diözese der Kirchengemeinde für die Veranstaltungen in dieser Woche überlassen hat, bevor es ins Bonner Haus der Geschichte transportiert wird. FOTO: schrö
"Es kommt ein Boot, beladen, überladen, gar nicht eingeladen." Diese Worte wählte die Ehrenamtskoordinatorin Mechthild Schmölders in der Kirche St. Margareta zum Auftakt von Veranstaltungen, die sich bis Donnerstag um Fluchtopfer, Heimat und Stammtischparolen drehen, und die in ein paar Metern Entfernung von einem Kahn gesprochen wurden, in dem sich 80 Menschen übers Mittelmeer quälten. Von Klaus Schröder

Der bundesweit bekannte Kabarettist Christian Ehring hat die Schirmherrschaft für diese Reihe übernommen und bekannte ganz witzlos: "Wenn du neben diesem Boot stehst, schnürt es dir die Kehle zu." Im Lauf seiner Eröffnungsrede fand er seinen Zynismus wieder, "denn das ist mein Metier". Ehring erinnerte an die Finanzkrise von 2008, wo zur Rettung von Banken nur so mit Staatsgeld um sich geworfen wurde und wo "die Banker sicher ein Schild hochgehalten haben, auf dem stand, ich bin nicht arm, ich bin von der Commerzbank." Ignorierten wir die Flüchtlinge und ihre Ursachen, käme es ihm vor wie: "Wenn's im Flur brennt, machen wir die Wohnzimmertür zu." Im gesamten All sei unsere Welt ein Staubkorn, und wenn einer auf die andere Seite des Staubkorns wandere, weil er sonst ermordet, gefoltert und verfolgt werde, "haben wir die Pflicht, ihn mit offenen Armen zu empfangen." Der Applaus in der vollen Kirche brauste.

Wer den Start in der Basilika versäumt hat, kann noch hier teilnehmen: Am Montag wird es eine Podiumsdiskussion geben "Zusammen sind wir Heimat" um 19.30 Uhr im Stiftsgebäude. Einen Tag später, am Dienstag geht es ab 19.30 Uhr an gleicher Stelle um "Stammtischparolen". Für Mittwoch ist ein "Interreligiöses Gebet" angekündigt, anschließend gibt es "Snacks aus aller Welt". Am Donnerstag schließlich berichtet der Pfarrer Regamy Thillainathan ab 20 Uhr von einem Flüchtlingseinsatz im Mittelmeer unter der Überschrift "Das hat mich kalt erwischt".

Für etwa tausend Flüchtlinge, die alle ein Gesicht haben und Menschen sind, stelle Gerresheim einen sicheren Hafen dar, erinnerte zum Schluss der Vorsitzende Michael Brockerhoff von der Bürgerstiftung Gerricus, die zusammen mit ASG Bildungsforum, Caritas und Kirchengemeinde diese Informationswoche möglich gemacht hat.