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„Acoustic Winter“ im Weltkunstzimmer
Leise Töne

„Acoustic Winter“ im Weltkunstzimmer: Leise Töne
Die Australierin Emaline Delapaix schreibt intensive Folk-Pop-Songs. FOTO: l. c Rost
Wir leben in lauten Zeiten. Der Verkehr dröhnt. Allerorten piepsen und klingeln elektronische Geräte. Ein Lautsprecher deluxe regiert die USA. Die Folge: Viele sehnen sich nach Ruhe, nach eher leisen Tönen. Von Alexandra Wehrmann

Der "Acoustic Winter" wendet sich an genau diese Menschen. Seit seiner ersten Ausgabe im Winter 2015, damals noch im Haus der Jugend, verzichtet das eintägige Festival bewusst auf elektrische Gitarren. Handgemachte Musik zwischen Country und Folk, Pop und Rock steht beim "Acoustic Winter" ebenso wie der freiluftigen Schwester "Acoustic Summer" auf dem Programm.

Auch für die siebte Ausgabe des musikalischen Reigens hat Veranstalter Thomas Kirchmann wieder eine Mischung aus bereits etablierten Acts und vielversprechenden Newcomern eingeladen. Dabei gibt man sich durchaus international: Zehn Musiker und Bands aus sechs verschiedenen Ländern gehen im Weltkunstzimmer, in dem von nun an sowohl die Winter- aus auch die Sommerausgabe des Festivals stattfinden wird, an den Start.

Emaline Delapaix ist eine von ihnen. Die Australierin schreibt intensive Folk-Pop-Songs für Klavier, Akustikgitarre oder keltische Harfe. Oder die Pariser Formation Pollyanna, die mit ihrem an Folk und Rock angelehnten Sound an PJ Harvey, The Decemberists oder Neil Young erinnert und – überraschend genug für Franzosen – englische Texte schreibt. Und nicht zuletzt Tim Lothar, der in der europäischen Blues-Szene einen ganz eigenen Platz einnimmt.

Losgelöst vom originalen Blues, präsentiert der Däne fast ausschließlich eigene Songs. Während sie alle noch eher am Anfang stehen, kann der Headliner des "Acoustic Winter" bereits auf knapp vier Dekaden im Musikzirkus zurückschauen: Justin Sullivan, Frontmann der Band New Model Army und als solcher bereits 2016 prominentester Act des Festivals, lässt bis heute keinerlei Anzeichen von Müdigkeit erkennen.

An Sullivan scheinen die Zeichen der Zeit geradezu spurlos vorbeigegangen zu sein. Er trägt die Haare immer noch lang, hat sich die Zähne nicht richten lassen und schreibt kämpferisch-wütende Songs gegen die Politik der Mächtigen. "Ein Zorn biblischen Ausmaßes in jeder einzelnen Note" urteilte laut.de über das NMA-Album "Winter" aus dem Jahr 2016. Der gleichnamige Titeltrack würde eine prima Hymne fürs Festival abgeben. "Bring me the snowfall, bring me the cold wind, bring me the winter!" heißt es darin.

Beim Gig in Düsseldorf kann Sullivan neben Material von seiner bisher einzigen Soloplatte "Navigating By The Stars" (2003) auf Songs von insgesamt 14 Studioalben von New Model Army zurückgreifen, allen voran das USA-kritische "51st State". Derart veritable Hits können die meisten anderen Gäste beim diesjährigen "Acoustic Winter" noch nicht vorweisen. Was natürlich kein Grund ist, ihnen nicht ein Ohr zu leihen. Oder sogar zwei.

Restkarten gibt es unter tommy@rainking-music.de sowie 0211–59892315.

!13.1., ab 16 Uhr, Acoustic Winter, Weltkunstzimmer, Ronsdorfer Str. 77a, Düsseldorf, acoustic-festival.de