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Informations-Tag "Gut aufgehoben am Lebensende!?"
Kann man Sterben lernen?

Informations-Tag "Gut aufgehoben am Lebensende!?": Kann man Sterben lernen?
Kabarettist Christian Ehring (re.) moderierte das Podiumsgespräch. FOTO: ho
So öffentlich, lebendig und umfassend wurde in Düsseldorf vermutlich noch nie über Sterben und Tod gesprochen wie am Samstag im Rathaus bei: "Gut aufgehoben am Lebensende?!" Von Yvonne Hofer

"Wir sprechen heute über Gesundheit in einer schwierigen Situation!" Gesundheitsdezernent Prof. Dr. Meyer-Falcke ist selbst Mediziner. Er spricht das Grußwort zur Veranstaltung. "Jeder von uns kann jederzeit betroffen sein!" Deshalb sei es so wichtig, ein "gesünderes Sterben" zu ermöglichen.

Der "Runde Tisch Palliative Versorgung" spielt dabei in Düsseldorf eine wichtige Rolle. 25 Institutionen tauschen sich hier aus. "Wir haben uns kennengelernt, Vertrauen aufgebaut, uns vernetzt", erklärt Dr. Nada Ralic.

Für Prof. Dr. Andreas Heller ist ein gutes Zeichen, dass diese Veranstaltung ausgerechnet im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses stattfindet. Der gebürtige Düsseldorfer ist Inhaber des Lehrstuhls für Palliative Care und Organisations-Ethik an der Universität Klagenfurt. Er sagt: "Das Thema Tod scheint im Zentrum bürgerlichen Lebens angekommen zu sein. Wir haben gelernt, dass es uns alle angeht."

Tatsächlich seien die Image-Werte der Hospize in Deutschland äußerst gut. Nur 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung wollen Im Krankenhaus sterben. "Das Hospiz steht für Gastfreundschaft am Lebensende", so Heller. Gutes Sterben, das sei selbstbestimmt und sozial verbunden. Aber der Weg dorthin ist noch ein langer.

"Viele Onkologen sagen abends beim Rotwein: 'Ich würde mir diese Therapie nicht antun'", verrät Heller und kommt auf das Dilemma zwischen dem unbedingten Willen zur Therapie und dem möglichen Verzicht auf solche Maßnahmen zu sprechen.

Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke stellt immerhin eine Veränderung in Düsseldorf fest. So sei das Thema palliative Versorgung auch an der Düsseldorfer Heinrich Heine-Universität angekommen.

"Die Palliativstation ist inzwischen auch Teil des Akutkrankenhauses", bestätigt beim anschließenden Podiumsgespräch Dr. med. Jacqueline Schwartz, stellvertretende Leiterin des Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin an der Uni-Klinik Düsseldorf. Dort gibt es insgesamt acht Betten.

Außerdem bieten die beiden Hospize in Düsseldorf insgesamt 24 Plätze. Die Wartezeiten schwanken zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen. Dabei ist das Hospiz eine spezialisierte Pflegeeinrichtung, wenn stationäre Rund-um-die-Uhr-Versorgung notwendig ist. "Das ist eine sehr radikale Orientierung am Patientenwillen, ein sehr individuelles Eingehen auf den Patienten. Besucher - egal, ob Angehörige, Arbeitskollegen oder Hund - sind herzlich willkommen!" fasst Dr. Susanne Hirsmüller, Leiterin des Hospizes am Evangelischen Krankenhaus zusammen.

Ein großer Teil der Menschen kann aber zu Hause versorgt werden. Hier helfen der ambulante Hospizdienst und palliative Pflegekräfte. Monika Hofmeister ist eine der beiden hauptamtlichen Koordinatorinnen im ambulanten Hospizverein Düsseldorf-Nord. Dort sorgt man dafür, dass ehrenamtliche Betreuer für die Patienten aber auch Angehörige da sind. Ein Prinzip, das noch wesentlich ausgeprägter im Kinderhospiz zu finden sind. Dort gehen die Familien in der Regel hin, um für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen Entlastung und Erholung zu finden. Und kehren dann nach Hause zurück.

Fazit der Veranstaltung: Düsseldorf ist auf einem guten Weg. Es kann aber noch viel verbessert werden. Und je mehr über die Versorgung am Lebensende gesprochen wird, desto mehr Bewegung kommt in das Thema.
Am Ende sei ein Satz von Prof. Dr. Andreas Heller gestattet, denn auch Humor soll ja in dunklen Stunden helfen:

"Kann man Sterben eigentlich lernen? Es klappt in der Regel beim ersten Mal!"