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Palliative Versorgung in Düsseldorf
Die Brücken-Bauer

Palliative Versorgung in Düsseldorf: Die Brücken-Bauer
FOTO: ho
"Die 4" ist seit 2004 ein ambulanter Pflegedienst in Düsseldorf. Das wäre noch nichts Besonderes. Vier Fachkräfte für ambulante palliative Pflege allerdings machen den Pflegedienst jetzt zu einem besonderen Anbieter in Düsseldorf. Geschäftsführer Marc Buchholz ist stolz darauf...

Seit April 2017 ist der Pflegedienst "Die 4" anerkannt für die allgemeine ambulante palliative Versorgung. Nicole Sauer, stellvertretende Pflegedienstleiterin und eine der vier Fachkräfte auf dem Gebiet erklärt: "Die palliative ambulante Versorgung unterstützt den Patienten dabei, sein Leben in Würde und mit allen seinen Wünschen zu Hause beenden zu können."

Die Bedürfnisse seien dabei aber sehr unterschiedlich. "Die einen benötigen mehr körperlichen, die anderen mehr seelischen Beistand." Immer beteiligt sind die Angehörigen. "Für sie ist die Situation oft sehr schwer auszuhalten." Sauer und ihre Kollegen verstehen sich hier auch als "Brückenbauer", helfen Patienten und Angehörigen, aufeinander zuzugehen.

Immer wieder erlebt Marc Buchholz in ersten Gesprächen, dass die Familie erklärt, der Patient wisse nicht, dass er stirbt. "Wenig später erklärt mir dann der Kunde, er wisse Bescheid. Wir sollten zusehen, dass die Familie gut versorgt würde." In dem Moment, wo sich solche Missverständnisse auflösen, sagt Buchholz, können die Menschen die verbleibende Zeit miteinander für wirklich wichtige Dinge nutzen.

"Unsere Aufgabe ist es, dem Patienten dabei zu helfen, zur Ruhe zu kommen und keine Schmerzen zu haben. Es geht nicht mehr darum, den Menschen zu heilen", sagt Sauer. Der Aufwand für den Pflegedienst ist hierbei ungleich größer, als in der normalen häuslichen Pflege. Gearbeitet wird hier stets in einem Netzwerk, bestehend aus Hausarzt, Palliativarzt, Seelsorgern und/ oder ambulantem Hospizdienst. "Neben der Pflege brauchen sie auch gewisse Planungskapazitäten", sagt Buchholz. Vor allem in der finalen Phase. Sterben und Tod halten sich in der Regel nicht an Bürozeiten.

"In die ambulante palliative Versorgung sind wir regelrecht reingewachsen", sagt er. Neben der häuslichen Pflege von Senioren gehört unter anderem auch die häusliche Versorgung von Krebspatienten zum Aufgabenbereich von "Die 4". Buchholz: "Im Rahmen dieser Tätigkeit haben wir viel mit dem Palliative Care Team (PCT) des Evangelischen Krankenhauses zusammengearbeitet."

Hierbei habe sich ein deutlicher Bedarf abgezeichnet. Zwei Palliative Care Fachpfleger waren bereits bei "Die 4". Zwei weitere Fachkräfte wurden fortgebildet. "Für die Mitarbeiter ist es attraktiv, weil es über die reguläre Versorgung hinaus geht. Die Rückmeldung von Kunden und Angehörigen ist groß. Das gibt Bestätigung", weiß Buchholz.

Der Pflegedienst selber mache sich mit diesem Angebot auch als Arbeitgeber attraktiver. Bewerber fragen inzwischen häufiger nach der Möglichkeit, auch im ambulanten palliativen Bereich zu arbeiten.

Dennoch: Eine Herausforderung bleibt dieser spezialisierte Einsatz für alle Beteiligten. Für den Pflegedienst selbst ist der Verwaltungsaufwand beträchtlich größer. Die Weiterbildung von Mitarbeitern kostet Zeit und Geld. Und: Bei allem Enthusiasmus ist die Begleitung von sterbenden Menschen eine größere Belastung als die normale häusliche Pflege. Lange Zeit war der Krankenpflegedienst Albatros der einzige Anbieter von ambulanter palliativer Pflege in Düsseldorf. Jetzt kommen "Die 4" dazu.

Buchholz würde sich wünschen, dass auch sein Beispiel Schule macht. "Wir machen uns keine Konkurrenz. Die Nachfrage wird immer größer." Viel zu oft müssen Anfragen noch abgesagt werden.

Wenn man Nicole Sauer fragt, warum sie sich um die Versorgung sterbender Menschen kümmert, hat sie eine verblüffend einfache Antwort: "Ich habe durch meine Arbeit gemerkt, dass die Art und Weise wie Menschen oft sterben, einfach nicht sein muss!" Sie selbst sei durchaus dankbar für ihre Aufgabe. "Das Größte, das wir den Menschen geben können, ist doch, dass wir bereit sind uns neben sie zu setzen, sie reden zu lassen, zuzuhören, ohne Wertung."

Die körperlichen Schmerzen bekomme man weitestgehend in den Griff. "Die seelischen Schmerzen sind oft ungleich größer." Wenn dann jemand da ist, der zuhört, wird es für den oft Sterbenden auch einfacher, sich auf den Weg zu machen.