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Sitzen wie ein Rallyfahrer

Sitzen wie ein Rallyfahrer
Polizist Joachim Tabath checkt die Sitzposition von Kursteilnehmer Wolfgang Kuhnle (li.). Der Senior hat an einigen Stellen Fehler bei den Einstellungen der Spiegel und des Sitzes gemacht. FOTO: mivi
Jahrzehnte lange Fahrpraxis, man fühlt sich sicher in seinem Auto. Doch ist das wirklich so? Eine falsche Einstellung des Sitzes kann selbst bei kleineren Unfällen zu schlimmen Verletzungen führen. Verkehrssicherheitsberater der Polizei zeigten Senioren, wie man richtig hinter dem Steuer sitzt. Von Milka Vidovic

"Sie hocken da wie ein Rally-Fahrer. Sicher ist das nicht", sagt Polizist Joachim Tabath zu seinem Kursteilnehmer Wolfgang Kuhnle. Der Hauptkommissar ist Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei und vor allem im Bereich der Seniorenarbeit tätig. Mehrmals im Jahr berät er ältere Menschen unter dem Motto "Sicherheit ist Einstellungssache" zu ihrer Sitzposition und der Ausrichtung aller Spiegel im eigenen Wagen.

Zehn Teilnehmer hatten sich vergangene Woche zu der Beratung auf dem Gelände der evangelischen Kirchengemeinde in Urdenbach angemeldet. So auch Wolfgang Kuhnle. "Ich habe seit 1961 einen Führerschein und mich immer sicher gefühlt. Als ich aber von diesem Angebot der Polizei erfuhr, wollte ich jetzt doch wissen, ob ich auch alles richtig mache", erzählt der Senior.

Als er im Rallyfahrer-Stil mit seinem Auto auf das Gelände angefahren kommt, sieht Joachim Tabath schon die ersten Fehleinstellungen. Bewaffnet mit einer Art "Sicherheitskatalog" geht der Polizist mit Fahrer Kuhnle alle Punkte durch. Ergebnis: Der Senior sitzt zu weit vom Lenkrad entfernt. Arme und Beine sind nahezu komplett durchgestreckt und auch die Kopfstütze ist zu niedrig eingestellt. "Das kann im Falle eines Unfall zu zusätzlichen Verletzungen führen. Der Sitz muss näher ran, damit Arme und Beine angewinkelt sind und bei einem Unfall den Körper abfedern. Gestreckte Gliedmaßen führen nur zu schlimmeren Verletzungen. Oder würden Sie mit durchgestreckten Beinen irgendwo hinunter springen?", erklärt der Polizist.

Auch die Seitenspiegel hat der Senior nicht optimal eingestellt. Wie er den "toten Winkel" so klein wie möglich hält, bekommt er auch gezeigt. Vorbildlich ist dagegen die Sicherheitsausstattung in seinem Auto. Verbandskasten, Warndreieck und Warnweste erfüllen die Standards und sind griffbereit zur Stelle.

Nach rund 45 Minuten ist der Sicherheitscheck vorbei. Der Senior ist erstaunt: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so unsicher sitze. Jahrzehnte bin ich so gefahren. Aber ich bin ja hier, weil ich lernfähig bin und werde mich jetzt an die neue, ungewohnte Sitzposition halten."

Seit 2011 beraten Joachim Tabath und seine Kollegen Senioren zur richtigen Sitzposition im eigenen Auto. Mit den Jahren sind die Teilnehmerzahlen zwar gestiegen, aber dennoch haben viele Angst vor der Beratung. "Die Leute befürchten, dass wir ihre Fahrtauglichkeit checken und sie ihren Führerschein verlieren. Darum geht es aber nicht. Es geht hierbei ausschließlich um das Thema Sicherheit", erklärt der Polizist.