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Interview
Düsseldorf im Farbfieber

Interview: Düsseldorf im Farbfieber
Der künstlerische Leiter, Klaus Klinger, freut sich darauf, beim 40 Grad Urban Art Festival mit vielen anderen Künstlern zu arbeiten. FOTO: Patrick Jansen
Es gibt neues Leben auf dem Gustaf-Gründgens-Platz: Vom 21. bis 30. August findet dort das 40 Grad-Urbanart Festival 2015 statt. Düsseldorf als Zentrum der Straßenkunst? Wir fragen den künstlerischen Leiter, Klaus Klinger von Farbfieber e.V., was da los sein wird. Von Patrick Jansen

Herr Klinger, 40 Grad Urban Art Festival – wie steht's denn aktuell um Ihre persönliche Fieberkurve?

Klaus Klinger: (lacht) Die steigt natürlich mit jedem Tag. Je näher das Festival rückt desto mehr Probleme tauchen auf. Aber ich denke, bis zum 21. August haben wir alles im Griff.

Welche Probleme sind das?

Klinger: Der Gustaf-Gründgens-Platz steht unter Denkmalschutz. Da haben wir aber nach vielen Verhandlungen eine Lösung gefunden. Einige Künstler sagen zu, andere wieder ab. Die Kosten laufen uns davon…und und und…

Wie teuer wird das Festival?

Klinger: Wir haben für diese zehn Tage ein Budget von ungefähr 60.000 Euro. Allein die Bühne kostet schon 5000 Euro. Wir wollen Projektionen aufs Schauspielhaus werfen, da ist die Technik auch sehr teuer. Dazu kommen Genehmigungen, Gebühren und Strom. Ein Haufen Kosten rein für organisatorisch-technische Dinge. Die Künstler arbeiten im Grunde umsonst.

2013 war Premiere fürs Festival. Allerdings aufs Stadtgebiet verteilt. Diesmal gibt's die Straßenkunst mitten in der City. Wie kommt's?

Klinger: Wir wollten diesmal ein anderes Konzept. Normalerweise arbeiten die verschiedenen Kreativen in allen möglichen Stadtteilen. Von Rath bis Reisholz findet man große Wandbilder und auch kleinere Geschichten. Es gibt ja auch schon Fahrradtouren durch Düsseldorf, wo man sich diese Orte angucken kann. Wir wollten alle Kräfte bündeln auf einem Platz. Es wird eine temporäre Geschichte, es wird dort ja alles verändert in der nächsten Zeit. Wir wollten ins Zentrum und mit vielen Künstlern an einem Ort arbeiten.

Das Interesse ist groß, viele wollen sich an dem Festival beteiligen, weil ja auch viele überregionale bis internationale Künstler zusammenkommen. Beim diesjährigen Festival ist das ein wichtiger Punkt.

Aber wieso ausgerechnet der Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus? Da gäbe es doch bestimmt schönere Ecken in Düsseldorf.

Klinger: Ja, man hätte auch auf den Grabbeplatz gehen können. Aber wir haben auf dem Gustaf-Gründgens-Platz zwei angrenzende Bürogebäude, die wir außen und innen mit mehr als 100 Räumen gestalten können. Das bietet einfach mehr Möglichkeiten für uns als der Grabbeplatz oder der Burgplatz. Es ist geplant auf dem Boden eine Piazza aus Rom nach Düsseldorf zu bringen, die im 16. Jahrhundert von Michelangelo dort auf dem Kapitolsplatz geschaffen wurde.

Sie wollen aber nicht die viel diskutierte, denkmalgeschützte Wand an der Bleichstraße bemalen?

Klinger: Doch, aber wenn es möglich ist wird sie - unter Protest - nachher von uns wieder weiß übertüncht. Ja klar, aber es ist ja nur eine temporäre Geschichte.

Wenn man den Platz neu gestaltet, macht diese Mauer ohnehin keinen Sinn mehr. Es ist aber dringend notwendig über Plätze in Düsseldorf neu nachzudenken.

Bislang hatte man nicht unbedingt den Eindruck, dass die Stadt viel mit Ihrer Kunst anfangen kann. Im Gegensatz zu vielen Bürgern. Wandbilder wie das in Flingern an der Ackerstraße sind ja längst zu Wahrzeichen im Stadtteil geworden. Ändert sich die Sichtweise jetzt vielleicht?

Klinger: Ja, die alte Regierung war völlig und komplett dagegen – nicht so sehr das Kulturamt. Zwar wurden wir da auch nur mit minimalen Geldern unterstützt, aber die Stadtspitze war nicht mal bereit, eine der schmutzigsten Wände von Düsseldorf für die junge Sprayer-Szene zur Verfügung zu stellen, damit die legal arbeiten kann. In allen umliegenden Städten gibt es sowas.

Wünschten Sie sich von der Stadt mehr Raum für diese Art der Kunst?

Klinger: Die neue Stadtregierung ist da offener. Zunächst finanziert sie das Festival doch um einiges mehr als das letzte. Die Stimmung ist aber auch allgemein offener geworden. Beim ersten Festival haben uns Privatleute angesprochen, und uns ihre Flächen zur Verfügung gestellt. Das wäre vor zehn Jahren nicht so gelaufen. Ich denke, dass es genug vernachlässigte Orte gibt, wie viele Unterführungen beispielsweise, das sind Dreckslöcher um die sich keiner kümmert.

Beim 40 Grad Urban Art Festival haben Sie genügend Platz, um sich auszutoben.

Klinger: Durch die Nähe zur Schadowstraße wird das Festival schon sehr viel Publikum anziehen. Der Platz ist seit 40 Jahren ein toter Platz. So wie Düsseldorf ja für viele Plätze kein Händchen hat. Deshalb ist auch ein Ziel, dass wir mit unseren Mitteln zeigen wollen, dass man so einen Ort auch anders gestalten kann.

Wir wollen die Frage anstoßen, warum Düsseldorf heutzutage so lieblos mit seinen Plätzen umgeht. Ein Platz ist eigentlich ein Ort der Kommunikation, wo man sich trifft, und das ist ja seit 40 Jahren am Gustaf-Gründgens-Platz überhaupt nicht der Fall.

Was erwartet die Besucher?

Klinger: Sie haben die Möglichkeiten live Malerei, Musikbands aber auch nachts die Laserprojektionen an der Fassade des Schauspielhauses zu erleben. Eine Künstlerin wird mit Laserprojektoren Freihandzeichnungen darauf zeichnen. Für jüngere Besucher gibt es die ganze Woche über Workshops, wo sie sich mit Kunst und ihren Fähigkeiten befassen können.

Es gibt also viel zu Entdecken.

Klinger: Es werden jeden Tag ganz viele verschiedene Künstler tätig sein. Es gibt ja nicht nur die Malerei, sondern auch Installationen oder Videokunst. Die Künstler arbeiten auch in den Räumen mit vielen unterschiedlichen Materialien.

Wir haben gelesen, Sie können auch noch Helfer gebrauchen. Stimmt das?

Klinger: Ja, unbedingt. Wir brauchen sowohl für das Café, für Veranstaltungen, für die Künstlerbetreuung und Leute, die auf die Sicherheit achten. Auch Laien können bei der künstlerischen Gestaltung mithelfen. Insgesamt bräuchten wir noch etwa 20 Helfer.