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Tor zur Welt
Festival bringt Kunst und Kultur ins Bahnhofsviertel

Düsseldorf: Festival "Von fremden Ländern in eigenen Städten" im Bahnhofsviertel
Ein Ort sucht nach seiner Zukunft: Düsseldorfer Bahnhofsviertel. FOTO: Markus Ambach
Das Bahnhofsviertel gilt nicht umsonst als Problemkind der urbanen Sphäre. Ein Ort, den täglich zahlreiche Menschen passieren, aber an dem sich aber niemand länger aufhalten möchte. Das ist in Düsseldorf nicht anders als in vielen anderen Städten. Von Alexandra Wehrmann

Markus Ambach kennt das hiesige Bahnhofsquartier wie die in solchen Fällen gern zitierte Westentasche. Seit vier Jahren hat der Ausstellungsmacher und Kurator sein Büro an der Harkortstraße. Einen Steinwurf vom Düsseldorfer Hauptbahnhof entfernt entstehen Ambachs Ausstellungsprojekte, die mit klassischen Museumsschauen so wenig zu tun haben wie Oliver Kahn mit geringem Selbstwertgefühl. Mit dem auf zwei Jahre angelegten Kunst- und Kulturfestival Von fremden Ländern in eigenen Städten widmet sich der 54-Jährige nun dem Veedel rund um den Bahnhof. "Das Düsseldorfer Bahnhofsviertel gilt als letzter großer, unerforschter urbaner Raum, der aktuell nach einer noch unbekannten Zukunft sucht", sagt Ambach. An eben dieser Umbruchsituation setzt das Festival an, um mit Akteuren aus Bildender Kunst, Theater, Tanz, Film und Musik, besonders aber mit den Anwohnern und Protagonisten vor Ort, Potenziale für das Quartier auszuloten. 20 Künstler hat er eingeladen, sich mit Worringer Platz, Vulkanstraße, Ellerstraße & Co. auseinander zu setzen, sich einzumischen in die Gestaltung und Planung des öffentlichen Raums.

Die bekannteste unter ihnen ist Katharina Sieverding, deren 200 Meter langer Bilderfries sich über die gesamte Länge des ehemaligen Postgebäudes erstreckt und voraussichtlich bis ins kommende Jahr dort bleiben wird. Ines Doujak entwirft eigens für die Ausstellung eine Kleider-Kollektion, die sich mit den Problematiken der neuen Seidenstraße auseinandersetzt und am 4. August ab 16 Uhr unter dem Titel "Ausverkauf" im Rahmen einer Modenschau auf dem Bertha-von-Suttner-Platz präsentiert wird. Maximiliane Baumgartner und Alex Wissel haben sich für ihre Arbeit "Courtroom #3" mit dem Prozess um das Wehrhahn-Attentat beschäftigt. In ihrer Installation, die auf dem Grünstreifen an der Eisenstraße Ecke Heinz-Schmöle-Straße platziert ist, zeigen sie Entwürfe, Eindrücke, Protokolle, Gerichtszeichnungen, Zeugenaussagen und Widersprüchlichkeiten aus dem Prozessverlauf in Form eines fiktiven Karnevalszugs. Und Palina Vetter widmet sich am 1. Juli ab 15 Uhr in der Tabledance-Bar "Solid Gold" der Kulturgeschichte des Poledance – tatkräftig unterstützt von der professionellen Stangentänzerin Angie Lexx. Damit dürfte das Programm des Festivals "Von fremden Ländern in eigenen Städten" mindestens ebenso heterogen und spannend sein wie das Viertel selber.

! 2.6.-19.8. diverse Veranstaltungsorte, Düsseldorf, vonfremdenlaendern.de