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Düsseldorf, deine Büdchen

Düsseldorf, deine Büdchen
Ohne "Ö" fehlt dir was. Ökkes Yildirim, Inhaber vom Oberbilker „Bödchen“, freut sich auf Düsseldorfs ersten Büdchentag. FOTO: mivi
Das Büdchen um die Ecke ist oft der soziale Anlaufpunkt im Stadtteil: Nachbarn treffen, Kaffee trinken, Schwätzchen halten. Deswegen feiert Düsseldorf am Samstag, 20. August, seine Büdchen. Wir haben drei beliebte Büdchen besucht. Von Milka Vidovic

Das Büdchen von Heinz Hoppe in Oberkassel ist für Kinder wie ein wahrgewordener Traum. Auf nur 42 Quadratmetern Ladenfläche stapelt sich Spielzeug bis unter die Decke. Ob Wasserpistolen, Machtbox-Autos oder Barbie-Puppen - seit 55 Jahren bringen der 78-Jährige und seine Ehefrau mit ihrem Laden Kinderaugen zum Leuchten.

"Der Laden ist mein Leben. Wenn ich morgens aufstehe und mich für den Arbeitstag fertig mache, freue ich mich schon auf die Kunden", schwärmt Heinz Hoppe. Einen Ruhestand ohne sein Büdchen kann er sich nicht vorstellen: "Mein Büdchen macht mich einfach glücklich". Das Einzige, was den Senior traurig macht, ist der rasante Wachstum des Internethandels.

"Kürzlich kamen zwei kleine Mädchen in den Laden, schauten sich mit ganz großen Augen die Barbies an. Bis plötzlich eine der beiden sagte, dass es die doch viel billiger im Internet gäbe. Daraufhin gingen sie. Ich finde es sehr schade, dass schon die Kleinen im Internet einkaufen", erklärt Heinz Hoppe.

Ein weiteres Büdchen mit langer Tradition ist der Zeitungspavillon am Corneliusplatz. Seit zehn Jahren betreibt Ralf Eiseler den 15 Quadratmeter kleinen Kö-Kiosk. Doch die Geschichte des Büdchens reicht viel weiter in die Vergangenheit.

"An der Kö gibt es schon seit über 100 Jahren einen Zeitungsstand", erklärt er. Neben den 1500 verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gibt es wegen dem großen Touristenzulauf auch Postkarten, Souvenirs und sogar Kuckucks-Uhren. "Viele Besucher aus den USA oder Asien sind von zu Hause aus große Entfernungen gewöhnt und sehen NRW als eine Stadt. Andauernd fragen mich Touristen wo denn hier der Kölner Dom sei und wie weit es bis dahin zu Fuß wäre", erzählt Ralf Eiseler.

Noch kein Jahrhundert alt, aber dennoch eine feste Größe in Oberbilk ist das "Bödchen" von Ökkes Yildirim an der Linienstraße. Seit 14 Jahren betreibt der Künstler den Laden, der eine Mischung aus Café, Ausstellungsfläche und Kiosk ist.
Zum ersten Düsseldorfer Büdchentag wird es beim Ö, so wie sich Ökkes Yildirim selbst nennt, den ganzen Tag über ein Programm geben.

Los geht es um neun Uhr mit einer Andacht. Pfarrer Lars Schütt von der evangelischen Christuskirchengemeinde Oberbilk/Flingern-Süd wird sprechen. "Eingeladen sind alle Menschen, egal an was oder an wen sie glauben oder auch nicht", sagt Ökkes Yildirim. Die Andacht, die der Pfarrer halten wird, ist eine Hommage an das Oberbilker Büdchen und eher lustig als religiös.

Weiter geht es mit Kinderschminken, einem kleinen Theaterstück, einer Gitarren- und Ukulelen-Schupperstunde und der Wahl der Königin oder des Königs von Oberbilk.

Mit einem Programm von rund 230 Stunden in 20 verschiedenen Büdchen wird Düsseldorf seiner Kiosk-Kultur ein Denkmal setzten.