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Palliative Versorgung in Düsseldorf
Wenn die Diagnose „Krebs“ lautet, gibt es jemanden

Palliative Versorgung in Düsseldorf: Wenn die Diagnose „Krebs“ lautet, gibt es jemanden
Anne-Katrin Gysae (li.) und Kerstin Zimmer beraten in Düsseldorf Menschen mit Krebserkrankung, deren Familien und Angehörige. Die Arbeit der Krebsberatung wird aus Spenden finanziert. FOTO: ho
Anne-Katrin Gysae hat einen Traum: "Ich träume davon, dass es eines Tages in Düsseldorf ein Haus für Menschen mit Krebserkrankung gibt, in dem es von der Erstberatung über onkologische Begleitung, bis hin zu Selbsthilfegruppen, kunsttherapeutischen Angeboten und Therapien alles an einem Ort in schöner Atmosphäre gibt." Von Yvonne Hofer

Das Puppenhaus im Büro von Kerstin Zimmer fällt gleich ins Auge. Zimmers Aufgabe: Die Familiensprechstunde für krebskranke Eltern und ihre Kinder. Der Raum ist lichtdurchflutet, die Atmosphäre heiter. Heiter wirkt auch Kerstin Zimmer.
Anne-Katrin Gysae hatte gerade noch ein Beratungsgespräch. Auch ihr Büro ist hell und freundlich. Zwei zerknüllte Taschentücher auf dem Tisch erinnern aber daran, dass es hier um sehr ernste Themen geht.

"Mit der Diagnose Krebs wird man plötzlich an die eigene Endlichkeit herangeführt", sagt Zimmer. "Leider wird auch oft noch die Vorstellung weitergegeben: Wer Krebs hat, muss elend zugrunde gehen." Die Diagnose der Erkrankung werde zunächst als Todesurteil aufgefasst in Verbindung mit der Vorstellung von einem schlimmen Tod.

Trotz Aufklärung, müsse man auch Palliativpatienten zunächst klar machen, dass sie keine Schmerzen haben müssen.

 "Medikamente und psychosoziale Möglichkeiten sorgen dafür, dass man das gut begleiten kann", sagt Zimmer.

In die Krebsberatung kommen Erkrankte, Angehörige, Erzieher, Arbeitskollegen und auch Vorgesetzte, die wissen wollen, wie sie mit einem erkrankten Mitarbeiter umgehen sollen. Die Frauen in der Krebsberatung wissen: Häufig gibt es Kommunikationsprobleme.

Weil das Umfeld unsicher ist, wie es mit der Krankheit umgehen soll. Und der Erkrankte sagt nicht, was er braucht bzw. möchte. Hier kann die Beratungsstelle helfen. Zumal Familien immer häufiger weit auseinander leben. Besonders dramatisch kann die Situation werden, wenn Alleinerziehende erkranken. Hier müssen Gysae und Zimmer dann dabei helfen, ein Netzwerk aufzubauen. "Da haben wir eine Lotsen-Funktion", sagt Kerstin Zimmer.

Und Anne-Katrin Gysae fügt hinzu: "Alleine könnten wir das nicht stemmen." Ihr Ziel: Wer zu ihnen kommt, soll möglichst all das bekommen, was ihm auch zusteht. Wie wichtig das ist, erläutert Gysae an einem Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern erkrankt an Krebs, kann nicht mehr arbeiten, bekommt im guten Fall noch Krankengeld. "Die finanzielle Situation ist so angespannt, dass sie gar nicht darüber nachdenken kann, wie sie gesund wird. Sie versucht nur zu überleben."

Im sozialrechtlichen Bereich können Gysae und Zimmer mit Sachinformationen und der Vermittlung an die richtigen Stellen weiterhelfen. Oder auch ganz konkret beim Ausfüllen von Anträgen. Manchmal geht es um reine Existenzsicherung. Trifft es Familien mit kleinen Kindern, trifft es meist junge Leute. "Die sind darauf ausgerichtet, ihre Existenz wachsen zu lassen. Diese Existenz wird durch die Krankheit auf einmal begrenzt", so Zimmer.

Die besondere Herausforderung sei es, von dem Moment nach der ersten Diagnose, über den Krankheitsverlauf bis - im schlimmsten Fall - zu einer palliativen Situation und zum Tod alles abzudecken. Und manchmal geht das für Anne-Katrin Gysae und Kerstin Zimmer weit darüber hinaus - bis hin zur Trauerbegleitung. Perspektiven aufzeigen, Vertrauen aufbauen - das sind erklärte Ziele der Krebsberatung.

Das Angebot reicht von "Lassen Sie uns reden" bis hin zu Hilfestellungen im Umgang mit Behörden. Ohne Spenden, wäre die Beratungsarbeit von Anne-Katrin Gysae und Kerstin Zimmer in der Landeshauptstadt nicht möglich.