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Expertenrat
Entbindung mit Lachgas

Expertenrat: Entbindung mit Lachgas
Dr. Meltem Kosan. FOTO: Sana Krankenhaus
Neun Monate voller Freude, Zittern und Warten auf diesen einen Moment – das Wunder der Geburt. Nicht selten ist dieser Tag auch mit einer bangen Vorfreude verbunden: wie werden die Wehen sein und wie stark ist der Entbindungsschmerz? Bei letzterem kann die Medizin helfen, werdenden Müttern können eine Vielzahl an Entspannungsmöglichkeiten oder an Schmerzlinderung angeboten werden.

Ob Wassergeburt, Akupunktur, Hypnobirthing oder eine Periduralanästhesie, kurz PDA genannt, die Möglichkeiten sind vielfältig. Eine nachweisbare schmerzsenkende Wirkung zeigen die Periduralanästhesie und Lachgas. Lachgas wird in Deutschland selten eingesetzt, obwohl man seine Wirkung medizinisch nachweisen kann und es sehr nebenwirkungsarm ist. Es eignet sich hervorragend zur Schmerzbekämpfung.

Die Vorteile einer Lachgasbehandlung liegen auf der Hand: Das Gas zeigt seine Wirkung schnell, auch direkt vor einer Wehe. Denn einmal eingeatmet flutet das Gas das Gehirn direkt. Patienten tragen Atemmasken und können per Knopfdruck die Zufuhr von Lachgas auslösen. So ist eine individuelle Dosierung möglich. Wie stark das Mittel wirken soll, wird auch durch die Tiefe der Atemzüge der Gebärenden beeinflusst. Dabei verschwindet der Schmerz jedoch nie komplett, seine Stärke wird lediglich herabgesetzt.

Anders als bei der PDA spüren Frauen so noch die Presswehen, die Wehentätigkeit wird nicht behindert. Zudem kann Lachgas auch eingesetzt werden, wenn die Geburt schon sehr weit fortgeschritten ist. Auch können Frauen, die bisher auf Grund ihres Gesundheitszustandes keine PDA erhalten konnten wie zum Beispiel bei einer Blutgerinnungsstörung, Lachgas zur Schmerzminderung einatmen.

Die Gefahr einer Unterversorgung der Patientin an Sauerstoff, wie es in der Vergangenheit durch eine Überdosierung von Lachgas möglich war, besteht heute nicht. Das Sauerstoff/Stickstoff Gemisch ist anders dosiert als es früher der Fall war, in der Geburtshilfe findet das Gemisch ausschließlich in einem 50:50 Mischverhältnis zu Sauerstoff Verwendung.

Auch hat Lachgas nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keinerlei Einfluss auf das Baby. Doch es gibt auch Indikatoren, die eine Schmerztherapie mit Lachgas ausschließen. Zu diesen zählen unter anderem Herzinsuffizienz, kardinale Dysfunktionen sowie ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B12.

Schwangere, die sich für eine Entbindung mit Lachgas interessieren, sollten sich daher vorab beraten lassen.

Dr. Meltem Kosan, Leitende Ärztin/ Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Psychotherapieam Sana Krankenhaus Gerresheim