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"Martin sein ist Ehrensache"

"Martin sein ist Ehrensache"
„So lange ich keinen Kran brauche, der mich aufs Pferd hebt, mache ich weiter. Das ist doch Ehrensache“, sagt er Rainer Erkelenz. FOTO: SAMLA.DE
"Ihr organisiert das Kostüm, ich das Pferd", sagte Rainer Erkelenz beiläufig. Aus einer einmaligen Absprache wurde ein zwei Dekaden überdauerndes Engagement. Wenn Sankt Martin am 9. November durch Heerdt zieht, führt der 58-Jährige den Umzug zum zwanzigsten Mal an. Von Milka Vidovic

Dass die Wahl damals auf Erkelenz fiel, war eher Zufall. Gesucht wurde ein erfahrener Reiter mit Sankt-Martins-Statur. Die damalige Vorsitzende des Martinsvereins, Thilde Küppers, schaute sich kurzerhand im Heerdter Offizierscorps um und fand in Erkelenz einen perfekten Kandidaten.

"Die Freude in den Augen der Kinder war überwältigend", resümiert Erkelenz, der selbst kinderlos ist. Als dann die naheliegende Frage folgte, ob er denn auch im kommenden Jahr den Umzug wieder anführen werde, stand die Antwort schnell fest. Thilde Küppers erkannte ihre Chance: "Dann hast du jetzt ab sofort einen 20-Jahres-Vertrag sicher." Sie holte daraufhin das zunächst nur geliehene Kostüm fest in den Stadtteil, und Erkelenz kümmert sich seither um Kosten und Organisation des Pferdes.

Anekdoten haben sich in den 20 Jahren viele angesammelt: "In einem Jahr ist mir der Mantel kurz vor der Teilung heruntergefallen. Der Bettler hob ihn auf und teilte ihn mit mir." Das habe zwar den Sinn umgekehrt, zumindest die Kinder bemerkten den Fauxpas jedoch nicht.

Überhaupt gab es keine echten Zwischenfälle – und das, obwohl der Umzug insbesondere in der jüngeren Vergangenheit immer länger wurde. Mit verantwortlich dafür sind auch die Heerdter Schützen, die sich bereit erklärten, die Ordnung während des den Sankt-Martins-Zugs zu gewährleisten.

In diesem Jahr werden rund 1500 Teilnehmer erwartet. Der Umzug mit zehn Musikkapellen findet am Donnerstag, 9. November statt. Aufstellung ist um 16 Uhr mit einem Umtrunk, organisiert vom Heerdter Bürgerverein, an der Rheinallee/ Ecke Alt-Heerdt.

Los geht es dann um 17 Uhr. Die Mantelteilung findet im Rahmen des großen Martinsfeuers um 18 Uhr auf dem Simon-Gatzweiler-Platz statt.

Dabei bringt Seelsorger und Schütze Reiner Spiegel den Kindern die Martinsgeschichte näher. Im Anschluss gibt es einen Ausklang mit kostenfreiem Glühwein und Kinderpunsch im Dorfkern – voraussichtlich auf dem bis dahin fertiggestellten Kirchvorplatz am Nikolaus-Knopp-Platz.

Die Ära-Erkelenz endet mit der Erfüllung seines "20-Jahres-Vertrages" übrigens nicht. "So lange ich keinen Kran brauche, der mich aufs Pferd hebt, mache ich weiter. Das ist doch Ehrensache", sagt er.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)