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„Senioren, seid selbstbewusst“

„Senioren, seid selbstbewusst“
Monika Meister und Willi Döring werben für die Arbeit des Seniorenrats Von Klaus Schröder

Monika Meister und Willi Döring arbeiten seit vier Jahren eng zusammen, wenn es um die Interessen von Senioren im Stadtbezirk 7 geht, sie sind Mitglieder des Seniorenrats, und laufen sich seit Jahrzehnten über den Weg. Doch erst hier und heute - im Sitzungszimmer des Rathauses am Neusser Tor im Gespräch mit dem „Gerresheimer“ - sagt der Ältere zu seiner Kollegin, „wir können uns auch duzen, ich bin der Willi.“ Monika lächelt und sagt: „Okay.“

Dann wird über das geredet, was beide um- und antreibt. Monika Meister referiert: „Wir haben eine wichtige Aufgabe: Aufklären und informieren. Viele Senioren wissen nichts.“ Beispiel: Sozial-Ticket? Nie gehört. Das Klischee stimmt, immer noch, alte Menschen wollen niemandem lästig werden. „Dabei sollten sie sich nicht als Bittsteller sehen, sondern selbstbewusst handeln.“

Die beiden Interessenvertreter reden sich in Rage. Zu oft haben sie Menschen kennengelernt, die von Grundsicherung leben müssen, die keine Familie mehr haben, die sie unterstützt, die sich einsam durch den Tag schleppen. Eine Mitverantwortung der Senioren räumen die Beiden ein. „Kontakte beispielsweise, die muss man vorher pflegen, bevor man Rentner wird.“ Und: „Interesse an Lösungen muss man schon selber aufbringen.“ Diese Lösungs-Ansätze tüfteln sie mit ihren Kollegen aus, in Gesundheits-Konferenzen, in Projekten wie dem „Runden Tisch Demenz“ und in Sicherheits-Arbeitskreisen. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum? Sie haben sich dafür eingesetzt, Friedhofsmobile anzuschaffen. Schwerhörigkeit? Mit dem Gesundheitsamt starten sie im Winter die Aktion „Wir leihen Ihnen ein Ohr“. „Wir wollen die alten Herrschaften an ihrer Eitelkeit packen.“ Altersarmut? Fast 300 Experten aus Verbänden, Parteien, Verwaltung und Organisationen diskutierten sich im Frühjahr die Köpfe heiß, was man dagegen unternehmen kann.

„Düsseldorf ist eine reiche Stadt und wir sind in Gerresheim anderen Stadtteilen weit voraus...“, sagt Willi Döring, „...aber wir müssen immer am Ball bleiben“, führt Monika Meister den Satz zu Ende.

Die große Düsseldorfer Verwaltung kommt ihnen oft schwerfällig vor, man selber brauche einen langen Atem und manchmal ballten sie die Faust in der Tasche. „Aber hier vor Ort ist die Zusammenarbeit mit der Stadt wunderbar“, setzt Willi Döring hinzu. Der alte Politik-Fuchs freut sich außerdem darüber, dass der Seniorenbeirat „viel effektiver sein kann“ als die Parteienlandschaft. Auch Monika Meister findet: „Die Arbeit ist interessant und macht richtig Spaß.“

Das nimmt man ihr unbesehen ab. Ein paar Meter weiter, vor der Tür, tobt der Seniorentag 2018. Ältere Menschen aus ganz Düsseldorf und Umgebung sind zu den Informationsständen gekommen. Natürlich sieht man viele graue Haare und manche Gehhilfe, aber auch Lebensfreude an der Tischtennisplatte und vor allem am roten Teppich. Mit Petra Wienß an der Spitze hat das „zentrum plus“ eine Modenschau von stilsicheren Senioren für jung gebliebene Senioren organisiert. Unter großem Hallo werden Fundstücke aus der Kleiderkammer präsentiert, einschließlich Augenzwinkern, wir nehmen uns nicht so ernst, aber fürs Spaßhaben wird man nie zu alt.

Das ist es, was Monika Meister und Willi Döring vorschwebt, plus die richtigen Informationen zur richtigen Zeit für ein selbstbewusstes Leben im Alter.

Seit 40 Jahren ist der Seniorenrat das Sprachrohr von etwa 145000 Düsseldorferinnen und Düsseldorfern über 60 Jahre.

Wahl Die nächste Wahl zum Seniorenrat Düsseldorf ist für Ende März 2019 geplant. Ein Kandidat muss mindestens 58 Jahre alt sein.

Info Die Sprechstunde von Monika Meister und Willi Döring findet jeden vierten Dienstag im Monat im „zentrum plus“ am Wallgraben statt, 10 bis 12 Uhr, auch anrufen kann man: 29 65 28.

www.duesseldorf.de/seniorenrat.html

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)