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„Jemand ze Hage?“
Ein Maulwurf mit Sprachfehler im Savoy Theater

René Marik in Düsseldorf im Savoy Theater
Puppenspiel-Anarcho Marik, Handpuppen Günther Falkenhorst, Kalle und Maulwurfn (v. l.). FOTO: www.renemarik.com
Stadtmitte. Wenn er auftritt, wird er plötzlich unsichtbar. René Marik läßt seine Puppen in Rollen schlüpfen, die an Virtuosität und Lebendigkeit unübertrefflich sind. Mit seinem Programm: "Ze Hage – Best of plus X" kommt der Puppenspieler ins Savoy Theater nach Düsseldorf. Von Sebastian Brück

Gut, dass er sein Mathematik-Studium rechtzeitig abgebrochen hat. Gut, dass ihm die Puppen dazwischen gekommen sind. Allen voran: Ein Maulwurf, der eine Blindenbinde trägt, obendrein mit einem Sprachfehler geschlagen ist und erfolglos um die Gunst einer Barbiepuppe buhlt.

Statt eines Diploms in Mathe hat René Marik an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin später eines als Puppenspieler abgelegt. Vor rund zehn Jahren stellte der gebürtige Hildesheimer einige Clips seiner Maulwurf-Geschichten ins Netz und avancierte in kurzer Zeit vom YouTube-Phänomen zum Comedy-Star. Millionenfache Abrufe, mehrere Preise, Dutzende TV-Auftritte.

Der Maulwurf namens "Maulwurfn" ist immer noch der "Headliner" in Mariks Puppen-Ensemble, und wenn er ihn bei seinem Gastspiel im Savoy-Theater auftreten lässt, dann kann man neben den erfolgreichsten alten Sketchen auch mit neuen Szenen und Abenteuern rechnen. Schließlich steht der Abend unter dem Motto "ZeHage! Best of Plus X". Nach einer längeren Kreativpause tourt Marik mit diesem Programm nun schon seit drei Jahren von Bühne zu Bühne – und entwickelt es mitsamt seinen Handpuppen-Figuren stetig weiter.

So wird es auch für die Fans nicht langweilig. Marik-Neulingen muss man den ersten Teil des Tourmottos kurz erklären: "ZeHage" spielt auf den Sprachfehler des Maulwurfs an. Die Frage "Jemand zu Haus?" spricht dieser "Jemand ze Hage?" aus. Ein Running Gag. Natürlich werden im Savoy-Theater neben dem sympathischen Verlierertyp-Maulwurf auch die anderen Puppenstars ihren Auftritt haben: Ein Frosch namens Günther Falkenhorst, der stark an Kermit aus der Muppet-Show erinnert und einen Hang zum Oberlehrer hat. Ein prolliger Eisbär namens Kalle, der stark berlinert, am liebsten Schultheiss-Pils trinkt und nicht nur den Untergang der Titanic pointiert kommentiert. Und der spitznasig-glatzköpfige Hasskasper: die Puppenspiel-Version eines Wutbürgers, der auf Kölsch seine üble Laune mit den anderen Figuren und dem Publikum teilt. Jede einzelne von Mariks Figuren hat ihre ganz eigenen Macken und Vorlieben – über Jahre gezeichnet, immer wieder variiert und verfeinert.

Viele Szenen dauern nur zwei bis drei Minuten, dann wechseln Thema und Figuren. Dabei kann es sogar passieren, dass Puppenspieler- und -sprecher Marik die Handpuppen aus der Rolle fallen und sich über ihn, ihren Schöpfer, lustig machen lässt. In einem der populärsten Sketche tritt der Frosch Günther Falkenhorst dem Maulwurf zunächst als Darth Vader verkleidet gegenüber und versucht diesem, nachdem die Maske gefallen ist, oberlehrerhaft seinen Sprachfehler abzutrainieren. In einer anderen Szene diskutieren Maulwurf (als Winnetou) und Frosch (als Old Shatterhand), ob sie braune und grüne Brüder sind – oder eben doch rote und weiße. Eine anarchische Puppenwelt, die so schrullig-absurd und doch so nahe an der Realität ist, dass die Dialoge der Figuren zuweilen an die Kult-Hörspiele von Helge Schneider aus den 1980er Jahren erinnern.

16.5., 20 Uhr, Savoy Theater, Graf-Adolf-Str. 47, Düsseldorf, savoy-theater.de