| 12.07 Uhr

Fortunas Heimspielauftakt gegen RB Leipzig
Der Traum vom Fliegen

Fortuna Düsseldorfs Heimspielauftakt  2019 gegen RB Leipzig
Jubelnder Fortuna-Stürmer Benito Raman. FOTO: Christof Wolff
Es ist der fiebrige Fußball-Traum eines jeden Fortuna-Fans, den Emporkömmling aus Leipzig zum Rückrunden-Heimspielstart am Sonntag zu Dosenfutter zu verarbeiten. Das Irre: Es scheint inzwischen möglich. Von Stefan Pucks

In einer Tabelle, gebildet aus den letzten vier Partien, steht die Fortuna mit zwölf Zählern punktgleich mit den erstplatzierten Bayern auf Rang zwei. Jenem Serienmeister, den der Aufsteiger im November beim spektakulären 3:3 für eine Art Initialzündung nutzte. Motto: Wir haben keine Angst mehr vor der neuen Liga! Zwar fehlte dem eruptiven Freudenschrei eines jungen mitgereisten Anhängers auf der Toilette der Allianz Arena ("Das ist ein geileres Gefühl als jede Meisterschaft") ein wenig die Logik, doch die Fortuna - so sagt es der Schlachtruf - war und ist wieder da.

Natürlich ist der Dosenfutter-Vergleich in erster Linie als zugegeben schlichter Bezug zu den wenig geliebten Kickern am Rockzipfel eines Brause-Blechbüchsen-Herstellers zu werten. Eine wohldosierte sportliche Despektierlichkeit, die vermutlich eine entsprechende Wirkung auf Trainer Friedhelm Funkel hätte. Der würde für einige Augenblicke auf seine vielbesungene Erdung und Bodenständigkeit pfeifen und ob der großspurigen Anmaßung vor Wut in die Luft gehen.
Doch er ist ja nicht ganz unschuldig dran. Das Irre ist nämlich, dass es der Übungsleiter geschafft hat, sein Team nach einem desillusionierenden Mittelteil der Hinrunde, als man am Tabellenende und an neun mickrigen Pünktchen kleben blieb, mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Bundesliga-Gegner zu formen. Auch und gerade für wesentlich ambitioniertere Teams wie eben Leipzig.

So feierten die Rot-Weißen ihr eigentliches fußballerisches Erweckungserlebnis in dieser Saison zwar auch in München, doch vor allem gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer aus Dortmund. Die Mannschaft kombinierte taktische Defensiv-Disziplin mit haarklein auf den Liga-Dominatoren abgestimmten spielerischen Nadelstichen. Heraus kamen ein entgeistert dreinblickender BVB-Ultra mit dickem Pflaster auf dem kahlen Schädel, ein Duell auf Augenhöhe mit einem verdienten Sieg, ein "Tor den Monats" durch Jean Zimmer und ein vollgefüllter Selbstbewusstseins-Tank, mit dem man die folgenden Partien in Hannover und in Augsburg jeweils in letzter Minute kaltschnäuzig für sich entschied.

Wohlgemerkt, zwischen diesen beiden letzten Vergleichen lag eine F95-Winterpause, die es in einer Grotesken-Tabelle ebenfalls mühelos auf Rang zwei geschafft hätte - direkt hinter die Präsidentschaft von Donald Trump. Wenn man eine Blaupause für schlechtes Timing eines Vereinsvorstandes bei der Verkündung von Vertragsenden eines Chefcoaches braucht, die Fortuna-Führung lieferte sie. Und auch wenn man das Gefühl nicht los wird, dass der prompt petitionsunterstützte Trainer nicht so ganz der Heilige Sankt Funkel war, als der er in der Öffentlichkeit gesehen wurde, so darf man hier wohl unwidersprochen feststellen: Da hatten die Entscheider wohl einen an der Pfanne...

Nach inniger Friedhelm-Umarmung des ins Kritik-Kreuzfeuer genommenen neuen Sportvorstandes Pfannenstiel beim Last-Minute-Treffer in Augsburg kann man konstatieren: Zwischenmenschlich hat man auf Führungsebene Nachholbedarf, sportlich bleiben Trainer und Team voll in der Spur.
Hochgeflogen auf Rang 14 ist man. Zehn Punkte Vorsprung auf Abstiegsrang 17, derer sieben auf die Relegation. Der Traum vom zeitigen Klassenerhalt ohne Endspurt-Zittern - er lebt. Da ändert auch Leipzig nichts dran. Im Gegenteil, es, nun ja, beflüüügelt den Traum.

Sonntag, 27. Januar, 18 Uhr, Merkur Spiel-Arena, Arenastr. 1, Düsseldorf