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Ruderclub Germania
„Es hat mich nicht mehr losgelassen“

Ruderclub Germania: "Es hat mich nicht mehr losgelassen"
Günter Schroers im Ruderboot. FOTO: Privat
Endlich Ruhestand. Lange ausschlafen, die behausschuhten Füße hochlegen, die freie Zeit gemütlich im Ohrensessel verbringen. So stellen sich viele Menschen den Zeitvertreib eines Rentners vor. Nicht so Günter Schroers. Der 80-Jährige rudert seit über 60 Jahren im Ruderclub Germania. Ans Aufhören denkt der Senior noch lange nicht. Von Milka Vidovic

Sportlich war Günter Schroers schon immer. Als Kind und Jugendlicher turnte er, spielte Handball. Spaß hatte er immer dabei. Doch als er mit 16 Jahren auf Döres Cohnen, dem damaligen Trainer des Ruderclubs Germania, traf, und erstmals mit dem Rudersport in Berührung kam, entfachte die Leidenschaft für den Wassersport und stellte alles andere in den Schatten. Die Begeisterung für das Rudern nahm im Laufe der Jahrzehnte nie ab. "Es hat mich einfach nicht mehr losgelassen", so das Fazit des Seniors nach mehr als 60 Jahren.

Seine Liebe zum Wasser hat Schroers vermutlich schon mit in die Wiege gelegt bekommen, als er 1939 in Flensburg auf die Welt kam. "Mein Vater war bei der Marine, daher bin ich dort geboren. Später gingen wir nach Düsseldorf zurück, wo meine Eltern und Großeltern herkamen." Und hier am Rhein, legte Günter Schroers 1955 dann mit dem Eintritt als Mitglied im Ruderclub Germania den Grundstein für seinen Werdegang als Profi-Sportler.

Doch das war zunächst gar nicht so einfach. Da es zu der Zeit im Verein keine Rennruderboote gab, sondern nur Gigruderboote (Anm. d. Red.: ein Bootstyp für das Wanderrudern und die Ruderausbildung), war eine Teilnahme an offiziellen Meisterschaften nicht möglich. Ein Jahr später bekam dann auch die Germania das erste Rennboot.

Und so stieg Schroers erstmals in ein richtiges Olympiaboot. Das Ergebnis: Keine 20 Jahre alt und schon gewann er die Internationale Regatta Luzern. Das sorgte für Aufsehen bei den anderen Wettkämpfern: "Die Gegner nannten uns den Favoritenschreck."

Und ihrem Ruf als Favoritenschreck machten Schroers und seine Teamkollegen in den darauf folgenden Jahren alle Ehre: 1959 gewannen sie auf den Deutschen Meisterschaften Gold im Vierer. 1960 fuhr Schroers als Ersatzmann für den Ruder-Vierer mit zu den Olympischen Spielen nach Rom. Im Vierer wurde er dann doch nicht eingesetzt, fand aber seinen Platz im Doppelzweier und belegte den zweiten Platz bei der Olympiade. Nun gehörte Schroers zur deutschen Spitze des Rudersports, nahm bei der Olympiade 1964 in Tokio teil, wurde Europameister und danach Trainer bei der Germania. Als dieser feierte er ebenso viele Erfolge.

Auf Bitten seiner Frau, weil er mehr auf dem Wasser als Zuhause war, ging Schroers mit 60 Jahren zunächst in Sportler-Rente. "Weil ich so sehr mit Herzblut dabei war, musste ich den kompletten Abstand finden." Doch daran konnte sich der passionierte Sportler nicht halten. Er stieg in die Mastersgruppe des Clubs wieder als Trainier ein: "Ich habe von meiner Frau frei fürs Rudern bekommen und ein Limit hat sie mir auch nicht gesetzt."

Und so ist für Günter Schroers weder als Trainer noch als Ruderer Schluss. Denn der jung gebliebene Germane hat noch etwas vor: Bei der Worldmasters-Regatta in Ungarn will er in diesem Jahr an den Start gehen.