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Düsseldorfer Farbenspiele - Die Rathauskolumne
Mach's noch einmal, Wolfgang

Düsseldorfer Farbenspiele - Die Rathauskolumne: Mach's noch einmal, Wolfgang
Oberbürgermeister Thomas Geisel, der neue Bürgermeister Wolfgang Scheffler und Günter Karen-Jungen. FOTO: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Melanie Zanin
Düsseldorf hat einen neuen Bürgermeister. Nachdem Günter Karen-Jungen (72) zum Ende des Jahres 2017 aus gesundheitlichen Gründen Ratsmandat und Bürgermeister-Posten aufgegeben hatte, musste man sich bei den Grünen entscheiden, wer die Nachfolge antritt. Von Yvonne Hofer

Die Grünen, diese jungen Wilden, haben sich entschieden. Und so heißt es jetzt "Mach's noch einmal, Wolfgang!"

Der 73-Jährige hat einschlägige Erfahrungen, war von 1994 bis 1999 schon einmal Bürgermeister. 2004 versuchte er sogar Oberbürgermeister zu werden.

Zur Feier des Tages zeigt sich der Lehrer im Ruhestand auch modisch auf Ballhöhe. Grün! Die Trendfarbe leuchtete ihm förmlich vom Schlips.

Wild auch der Grüne Norbert Czerwinski. Grund: eine weitere Episode aus der Reihe: "Politiker fragen, Zeitungen antworten." Hintergrund: Eigentlich dienen die Sitzungen des Stadtrates unter anderem auch dazu, dass Politiker Anfragen an die Verwaltung stellen können. Die Antworten gibt es dann im Plenum. Zumeist durch Beigeordnete.

In jüngster Zeit allerdings gibt's Antworten öfters mal im Vorfeld. "Ich möchte nicht von der Presse erfahren wie die Antwort ist", tobte Czerwinski. Beim Thema "Düsseldorfer Stadtstrand" könnte man freilich auch über die Aussagekräftigkeit der Antworten aus der Haut fahren. So wollten die Grünen unter anderem wissen, ob die Verwaltung schon mit Gastronomen gesprochen hat.

Die Antwort lassen wir uns mal auf der Zunge zergehen: "Die Konkretisierung eines Stadtstandes an den fokussierten Standorten hat noch nicht die Reife, dass Gespräche mit Akteuren aus Gastronomie und Veranstaltungsmanagement zielorientiert geführt werden können. Als Grundlage der Gespräche sollen tendenziell Nutzungskonzepte vorgedacht werden."

Ganz ehrlich, das formuliert doch jede Zeitung besser. Wenn da jemand Antworten durchsticht, dann doch nur, damit sie verständlicher werden. Barrierefreiheit für Lokalpolitiker...

Apropos Barrieren. Das Altstadt-Pflaster sorgt inzwischen auch für manche Stolperfalle. Die SPD fasste sich ein Herz, und brachte das leidige Thema auf die Tagesordnung.

"Es wurde viel versucht uns weiszumachen, dass dieser Belag toll ist", erinnert SPD-Fraktions-Chef Markus Raub. 2010 entschied sich der Rat für den Stein. 2011 begann die Verlegung. Und schnell wurde klar: Es gibt Probleme. Unter anderem mit der Fugenmasse.

Das Ergebnis heute: "Ein einziger Schandfleck - oder eine ganze Reihe von Schandflecken", sagt Raub.

"Das ist ganz einfach und trotzdem kompliziert!" Die Beigeordnete Cornelia Zuschke muss viel erklären. Einfache Antworten wie "Da hat jemand gewaltig Mist gebaut und wir ändern das jetzt", gibt es allerdings nicht. Ihre Antworten bleiben stets diplomatisch, akademisch, fluffig. Mit einer Sache hat sie absolut recht: "Wir sollten aus der Erfahrung für die Fußgängerzone Schadowstraße lernen!"

Man könnte als Sportstadt aber auch ganz anderes reagieren: Aktuelles Pflaster raus, Kopfsteinpflaster rein und dem Radsport-Klassiker "Paris-Roubaix" handfeste Konkurrenz machen. Nach der Hölle des Nordens kommt dann die Hölle am Rhein. Und schon wird aus der längsten Theke das neue Mekka des Radsports...

Ein Mekka des Shoppings ist die Landeshauptstadt ja schon. Nur an den verkaufsoffenen Sonntagen scheiden sich die Geister. Interessanterweise auch innerhalb der jeweiligen Fraktionen. Zwei Termine stehen zur Abstimmung, und beide werden am Ende mehrheitlich verabschiedet: Zur Pro Wein und zum Benrather Maimarkt soll es jeweils einen verkaufsoffenen Sonntag geben. Sofern die Gewerkschaft ver.di nicht dagegen klagt und Recht bekommt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel verließ die Sitzung schon um 16 Uhr. Und während auf der Pressebank bereits fröhlich darüber spekuliert wurde, warum (kann ja eigentlich nur Karneval sein) klärte Geisels Kommunikations-Chefin auf. Der Rathaus-Chef musste nach Berlin.