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Neue Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte
Kranke Herrenrassen-Träume

Neue Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte: Kranke Herrenrassen-Träume
Andrea Ditchen und Bastian Fleermann stellen die neue Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte vor. FOTO: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Michael Gstettenbauer
(ho) Sie träumten nicht nur den kranken Traum von der Herrenrasse. Sie schreckten auch bei der Umsetzung vor nichts zurück. Propaganda, Terror und Mord waren die Mittel ihrer Unmenschlichkeit. "Die Körper der SS. Ideologie, Propaganda und Gewalt" heißt die neue Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29.

In dieser Ausstellung lerne man viel über Faschismus und Rassismus, sagt Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte. Die SS, die Schutzstaffel, war im deutschen Nationalsozialismus nach eigenem Verständnis die Elite. Diese "Elite" setzte sich sehr bewusst in Szene, prägt Körperideale, setzt auf Partnerwahl nach rassischen Gesichtspunkten und tötet gnadenlos alles, was nicht in dieses System passt. "Die Ausstellung", sagt Kuratorin Andrea Ditchen, "ist in drei Kapitel gegliedert." Da ist der Blick auf die Ideologie des Nationalsozialismus, es wird gezeigt, wie diese Ideologie im Gedankengut der SS übersteigert wird. Und schließlich sind Auswirkungen auf die Gegenwart zu sehen.

Insgesamt 47 Informationstafeln zeigen den Kult der "rassischen Auslese", die brutale Herabwürdigung und Tötung all derer, die als Gegner des Regimes eingestuft wurden.

Da ist etwa das Körperbild der Frau. Groß, blond, gesund, gebährfähig sollte sie sein und den Kindern den bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Regime angedeihen lassen. Immer wieder macht die Ausstellung mit Brüchen die bedingungslose Brutalität der Ideologie deutlich. So etwa am Beispiel von Elfriede Lohse-Wächter. Bei der 1899 in Dresden geborenen Malerin wurde Anfang der 30-er Jahre Schizophrenie diagnostiziert. Ihre Bilder galten schließlich als "entartet", die Künstlerin selbst wurde 1935 zwangssterilisiert und 1940 im Rahmen einer Euthanasie-Aktion ermordet. Die Art, wie man mit psychisch Erkrankten umging.

Der SS-Mann musste in der sogannten Rassemusterung ab 1934 seine "arische" Abstammung nachweisen. Und auch die Partnerwahl war der "rassischen" Auswahl unterworfen. "Das kam der Zuchtbeschau eines Hundes oder Pferdes sehr nah", so Andrea Ditchen.
Anspruch und Wirklichkeit allerdings stimmten nicht immer überein. So galt ein Mindestkörpermaß von 1,70 Metern Anfang der 30-er Jahre noch als Pflicht für einen SS-Mann. Eine Vorgabe, die mangels Masse nicht eingehalten werden konnte.

Wie menschenverachtend, wie brutal diese Ideologie geprägt war, das machen in der Ausstellung auch immer Wieder Zitate von Heinrich Himmler deutlich: "Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst niemandem. (...) Ob die anderen Völker im Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur in soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird."

Die Ausstellung ist bis zum 27. Januar zu sehen. Dem Tag, an dem 1945 das Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde.

 

Fakten

"Die Körper der SS. Ideologie, Propaganda und Gewalt", Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29.
Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr