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"Költ"
Kölsches Altbier als Friedensangebot

Költ: Kölsches Altbier als Friedensangebot
Könnte den ewigen Streit um Kölsch oder Alt befrieden und die beiden Städte miteinander versöhnen: Költ und seine Erfinder Matthias Ross (l.) und Hans Berlin. FOTO: költ GmbH
Spätestens seit 1288 verbindet Düsseldorfer und Kölner eine innige Abneigung miteinander. Zwei Jungunternehmer wollen die alte Rivalität nun überbrücken – mit einem Bier namens "Költ". Das Versöhnungsgetränk ist eine Mischung aus Alt und Kölsch. Von Sven-André Dreyer

Klar, man könnte jetzt wieder einmal die Historie bemühen. Stichwort: Schlacht von Worringen. Düsseldorf erhält die Stadtrechte und der Stachel sitzt tief bei den bis dahin übermächtigen Rheinländern, den Kölnern. Ein Streit, den manche bis heute als Ursache für den immer noch schwelenden Zwist zwischen beiden Städten betrachten.

Man könnte aber auch einfach über ein junges Startup-Unternehmen schreiben, das mit einer ungewöhnlichen Idee bereits im vergangenen Jahr sehr erfolgreich an den Start gegangen ist. Schlicht "Költ" nennen die Gründer Hans Berlin und Matthias Ross ihr ungewöhnliches Produkt. Und das ist nichts anderes als ein Craft-Bier, also ein handgebrautes Bier aus einer kleinen Brauerei in Krefeld, das einen ungewöhnlichen Spagat versucht: eine Melange aus Altbier und Kölsch.

Bernsteinfarben kommt das Obergärige nun mit fünf Prozent Volumenalkohol daher und will beide Brautraditionen zu einem Bier verbinden, das das Rheinland – zumindest geschmacklich – endlich einen könnte. "Schließlich sind sowohl Kölsch als auch Alt obergärige Biere", sagt der 28-jährige Berlin, "der Brauprozess ist der gleiche." Ein Synergieeffekt, den die Jungunternehmer zu nutzen wissen.

"Viele verschenken das Bier als Gastgeschenk in der jeweils anderen Stadt", weiß Berlin, der gemeinsam mit seinem Partner Ross die Idee zum Bier entwickelte. Beide lernten sich während des Design-Studiums an der Hochschule Düsseldorf kennen und kamen im Sommer 2014, unterwegs mit Freunden in der Düsseldorfer Altstadt, auf die Idee, das Alternativbier zu kreieren.

Dafür jedoch benötigten sie Hilfe. Denn während sie als Designer zwar für den Entwurf von Logo, Etikett und Grafik verantwortlich zeichnen, benötigten sie Unterstützung beim eigentlichen Brauprozess. "Dafür braucht es schließlich viel mehr als nur ein gutes Verhältnis zu Bier", erklärt Berlin. "Wir arbeiteten uns zwar in die Materie der Braukunst ein", dennoch wurde ein erfahrener Braumeister benötigt, um die Sude des neuen Biers ansetzen, geschmacklich ausarbeiten und reifen lassen zu können. In Monheim schließlich wurden Berlin und Ross fündig: Henning Barkey aus der dortigen "Biermanufactur" braut bereits seit Jahren an jenem Standort sowohl Alt als auch Kölsch. "Wir hatten den richtigen Mann am richtigen Ort für unser lang ersehntes Költ gefunden", erzählt Berlin. Nach zahlreichen Testsuden wurde schließlich im Sommer 2017 der erste Hybrid aus beiden Brautraditionen angesetzt.

Zunächst finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne, die innerhalb kurzer Zeit mehr als 20.000 Euro einbrachte und so die Testläufe um das neue Bier ermöglichte, bewarben sich die Erfinder des ungewöhnlichen Bieres im vergangenen Jahr schließlich auch um ein Gründer-Stipendium des Landes. Mit Erfolg: Berlin und Ross kündigten aufgrund des erfolgreich angenommen Getränks ihre bis dahin ausgeübten Jobs schon zum September des Jahres 2018 und konzentrieren sich seither voll und ganz auf die weitere Vermarktung ihres Bieres. "Und das kommt sehr gut an", weiß Hans Berlin. Bereits nach Weihnachten 2018 brauten sie weitere 250 Hektoliter, die in Flaschen zu jeweils 0,33 Litern abgefüllt werden. Zum Vergleich: Der Absatz der Marke Frankenheim lag 2008 bei rund 250.000 Hektoliter. Und auch wenn der Absatz von Altbier seit Jahren rückläufig ist, der von Kölsch nimmt zu.

"Natürlich konzentrieren wir uns bei der Vermarktung von Költ zunächst auf das Rheinland", erzählt Berlin. Und während das Bier in Köln und Düsseldorf bereits an einigen Verkaufsstellen zu haben ist, wollen die Existenzgründer nun auch versuchen, das Bier im Gastronomie- und Hotelwesen, etwa bis nach Bonn und bis ins Bergische Land, aber auch in Supermärkten zu platzieren. Und auch das scheint aussichtsreich zu sein.

Schließlich gibt es mittlerweile auch Rückmeldungen aus weiter entfernten Städten: Auch in Hamburg und München macht Költ derzeit die Runde und lädt dazu ein, alte Feindschaften bei einem Bier zu begraben. Oder wenigstens zu besprechen.

Kreativ: Das von Berlin und Ross kreierte Költ-Logo zeigt eine Gerstenähre, die sowohl den Düsseldorfer Rheinturm als auch die Turmspitzen des Kölner Doms beinhaltet. Erste Testsude des Biers wurden 2017 in Monheim angesetzt, heute wird "Költ" in Krefeld gebraut. Mittlerweile in einigen Supermärkten im Rheinland, aber auch im Ruhrgebiet, im Bergischen Land und am Niederrhein erhältlich, ist das Bier auch über den unternehmenseigenen Shop im Internet unter www.koeltbier.de zu beziehen.