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Kabarettist Dieter Nuhr im Interview
"Ich habe mit meiner Geburt in Mitteleuropa das große Los gezogen"

Kabarettist Dieter Nuhr im Interview: "Ich habe mit meiner Geburt in Mitteleuropa das große Los gezogen"
FOTO: Jana Bauch
Kabarettist Dieter Nuhr wurde für sein Engagement gegen Kinderarmut jetzt zum Düsseldorfer des Jahres gekürt. Am 8. Dezember tritt er in der Mitsubishi Electric Halle auf. Von Sven-André Dreyer

Herr Nuhr, Sie werden für Ihr Engagement gegen Kinderarmut in der Kategorie Ehrenamt zum "Düsseldorfer des Jahres" gekürt. Woher kommt Ihr Bemühen gegen Kinderarmut?

Ich engagiere mich schon lange für die SOS-Kinderdörfer, weil Kinder die schuldlosesten Opfer von Armut sind. SOS hat mich damals angesprochen, und ich war sofort begeistert. Die SOS-Kinderdörfer helfen nicht nur Kindern, die keine Familie mehr haben, sondern auch Familien, die mit der Aufrechterhaltung lebenswürdiger Zustände überfordert sind. Das beginnt bei der Bildung und geht über ärztliche Versorgung bis zu ökonomischer Hilfe. Dabei wird immer Hilfe zur Selbsthilfe gegeben, die sich klar an den lokalen Gegebenheiten orientiert. In Asien braucht es ganz andere Hilfen als in Afrika.

Was liegt im Argen, wie kann es zu einer derart hohen Kinderarmut kommen?

Die weltweite Armut ist, weitgehend unbemerkt von der Allgemeinheit, in den letzten Jahrzehnten rasant zurückgegangen von knapp 50% auf unter 10% der Menschheit. Auch die Kinderarmut ist stark zurückgegangen. Aber dennoch gibt es natürlich Verlierer, diejenigen, die nicht von der Globalisierung profitieren und jene, die unter unsäglichen politischen Bedingungen leiden. Der Hauptgrund für Armut liegt meines Erachtens im politischen Versagen vor Ort begründet.

Was treibt Sie in Ihrem Engagement an?

Ich habe mit meiner Geburt in Mitteleuropa das große Los gezogen. Bildung, Kleidung, Nahrung, Wohnung, Heizung, alles für alle garantiert. Davon können die meisten Menschen nur träumen. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich davon auch etwas zurückgebe.

Durch Ihre Prominenz erreichen Sie viele Ihrer Mitmenschen und machen, neben den Spendenerlösen, auf die Problematik aufmerksam. Geben Sie damit auch Impulse für eigenes Engagement, gibt es Nachahmer?

Das weiß ich nicht. Ich bin ja auch nicht der Einzige. Fast alle Prominenten, die ich kenne, engagieren sich irgendwo, weil es im Menschen neben dem angeborenen Egoismus auch eine angeborene soziale Komponente gibt. Wir sind Primaten und benehmen uns auch so, das heißt, wir wollen Bananen für uns selbst, aber wir sind auch Teil des sozialen Kontextes und teilen.

Was kann jeder Einzelne tun?

Ich rate allen, die auch ein bisschen was beitragen wollen, dazu, nicht selbst irgendeine Hilfe zu organisieren, sondern sich eine der großen Hilfsorganisationen auszusuchen, die bereits auf bestehende funktionierende Strukturen zurückgreifen können. SOS arbeitet extrem effizient, basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung mit geringem Verwaltungsaufwand, das heißt, der größte Teil der Spendengelder kommt da an, wo er gebraucht wird. Und es wird unideologisch geholfen, also ohne politische oder religiöse Mission. Das gefällt mir sehr, davon abgesehen, dass da wirklich bewundernswerte Menschen den Laden schmeißen und sich für mich sehr schöne persönliche Beziehungen entwickelt haben. Da kann jeder gerne ein paar Euro dazu tun. Unter sos-kinderdoerfer.de ist das sogar ganz einfach online möglich. Wer im Internet Socken bestellt, kann da gleich nachher noch vorbeigehen...

Und, zum Thema "Düsseldorf": Sie sind kürzlich nach Düsseldorf gezogen und bekennen sich damit deutlich zu dieser Stadt. Was macht die Stadt für Sie so reizvoll?

Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen, ich war immer hier zu Hause, allerdings nicht nur hier. Ich habe mehrere Zuhause. An Düsseldorf liebe ich das gastronomische Angebot, das ist einfach großartig. Die Stadt ist eine der schönsten in Deutschland, die Lage am Rhein ist super, und wenn die schlimmsten Baustellen mal raus sind, wird es erst richtig gut. Kulturell ist alles da, was man braucht. Die Stadt strahlt eine gewisse Heiterkeit aus. Es ist locker hier.

! Dieter Nuhr: "Nuhr hier, nur heute", 8.12., 20 Uhr, Mitsubishi Electric Halle, Siegburger Straße 15, Düsseldorf