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Friedhelm Funkel im Interview
"Hier sagt keiner, wir wollen nicht aufsteigen! Ich auch nicht!"

Friedhelm Funkel im Interview: "Hier sagt keiner, wir wollen nicht aufsteigen! Ich auch nicht!"
Fortuna-Coach Funkel - "Ich habe jetzt die richtigen Spieler!" FOTO: Horstmüller
Wer kurz vor oder nach dem Schulbeginn die Sommer-Auszeit beendet hat, dürfte nicht schlecht gestaunt haben: Fortuna Düsseldorf führt die Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga an, hat drei Spiele gewonnen, eines unentschieden gespielt. Im DFB-Pokal darf man sich in Runde zwei auf den Kracher gegen Borussia Mönchengladbach freuen. Was sagt eigentlich  Cheftrainer Friedhelm Funkel im Interview mit dem  Düsseldorfer Anzeiger dazu? Von Matthias Goergens

Herr Funkel, die Fortuna steht ganz oben: Wie konnte das passieren?

Wir haben in den bisherigen Spielen gut gespielt, keine Frage. Aber wir hatten auch das notwendige Spielglück, und das braucht man im Fußball, um erfolgreich zu sein. Zudem waren wir endlich effizient, haben unsere Möglichkeiten genutzt, um Tore zu erzielen. Das ist ein gravierender Unterschied gegenüber dem vergangenem Jahr. Dadurch haben wir die Spiele zuletzt gewonnen.

Welche Rollen haben die neu verpflichteten Spieler dabei einnehmen können?

So viele haben von den Neuen noch gar nicht gespielt. Ein Florian Neuhaus natürlich, ein Niko Gießelmann auch - aber Jean Zimmer hat zum Beispiel erst zwei Partien bestritten. Und diese Spieler hatten es auch einfacher als die, die jetzt gerade gekommen sind. Sie kennen die Mitspieler, die Sprache, die Liga. Die beiden Neuen, Benito Raman und Takashi Usami, müssen sich erst mal von der Sprache her akklimatisieren, sich eingewöhnen und wissen, wie Mitspieler und Trainerteam so ticken.

In jedem Fall wirkt es so, als wenn Sie jetzt über mehr gleichwertige taktische Varianten verfügen?

Ja, absolut, der Kader ist besser geworden in der Breite. Das war in den jüngsten Spielen schon nicht einfach für mich, Akteure draußen zu lassen, vielleicht nicht mal mit zu den Partien zu nehmen. Das wird jetzt noch schwieriger. Jetzt sind noch zwei starke Spieler dazugekommen, die auch spielen wollen, die natürlich auch im Kader sein wollen. Da wird der eine oder andere am Sonntag gegen Union Berlin (13.30 Uhr, Arena) nicht im Kader sein, der zuletzt vielleicht immer dabei war. Aber das ist mir natürlich viel viel lieber, als wenn ich gerade 16 Feldspieler, zwei Torhüter und keine Alternative zur Verfügung habe.

Was macht den Unterschied zur vergangenen Saison aus?

Von der Bank kommt jetzt wirklich Qualität rein. In der vergangenen Saison war es eher jugendlicher Elan, aber eben ohne diese Qualität und Erfahrung. Deswegen haben diese Spieler  den Begegnungen auch nicht sofort eine Wendung geben können. Sie haben es versucht, sie waren bemüht, sie sind talentiert. Aber zweite Liga zu spielen, ist ein hartes Geschäft. Jetzt kommt einer wie Rouwen Hennings in zwei Spielen rein und entscheidet diese. Ein Florian Neuhaus kommt im ersten Spiel rein und holt uns den Punkt mit dem 2:2 gegen Braunschweig. Da kommt Qualität von der Bank, die das Spiel in der Schlussphase entscheiden kann. Zudem können wir flexibel die Taktik umstellen. Da braucht man die richtigen Spieler für und die habe ich jetzt.

Die Erwartungen nach diesem gelungenen Start könnten wachsen. Wie sagen Sie den Aufstiegs-Träumern?

Wir sind ganz ordentlich gestartet, aber da darf niemand glauben, dass wir schon aufgestiegen sind. Bei meinem Amtsantritt vor gut einem Jahr haben wir gesagt, dass wir den Verein in den nächsten drei Jahren voranbringen wollen. Im ersten Jahr wollten wir mit einer ganz jungen Mannschaft eine gute Platzierung schaffen -  das hat mit Platz elf geklappt. Daneben wollten wir junge Spieler weiterentwickeln, gewisse Werte für den Verein schaffen - das haben wir auch geschafft und mit dem Transfer von Ihlas Bebou den höchsten Verkaufswert, der jemals für die Fortuna erzielt worden ist. Jetzt sind wir im zweiten Jahr, wollen einen weiteren Schritt vorankommen. Wir müssen elf neue Spieler einbauen, das geht nicht so leicht. Trotzdem erhöhen wir die Ziele für dieses Jahr. Wenn das eine oder andere vorher passiert, wehren wir uns nicht dagegen. Hier sagt keiner, wir wollen nicht aufsteigen. Selbst ich nicht.

Wäre es denn angebracht, die Saisonziele bald mutiger auszugeben?

Ich habe mich mit den erfahrenen Spielern besprochen und wir haben uns geeinigt, dass wir das Ziel "oberes Tabellendrittel" anpeilen wollen. Da sind einige dabei, die schon sehr lange im Verein sind und wissen, was es ausmachen kann, wenn zu früh überhöhte, kaum zu erfüllende Erwartungen entstehen. Das hat grade die Fortuna in den vergangenen Jahren schmerzlich erfahren müssen.