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Seltsam und äußerst gut
Jason Bartsch mit Soloprogramm

Düsseldorf: Jason Bartsch macht Sinn
Junger Josef Hader? Jason Bartsch FOTO: zakk
Der Trick mit den Zitaten hat schon mal funktioniert. Drei davon hat Jason Bartsch seiner Presseinformation vorangestellt – und mutmaßlich sind sie alle von ihm, denn eine mediale Quelle ist bei keinem der drei genannt. Von Alexandra Wehrmann

Er hat sie sich vielmehr ausgesucht, die, in deren Fußstapfen er gerne treten würde. Irgendwann. Und warum dann nicht gleich die besten der jeweiligen Zunft nennen? "Wie ein junger Josef Hader" ist also da zu lesen. Und wer die Filme und Bühnenprogramme des österreichischen Ausnahmekönners kennt, weiß, dass er die allermeisten, die sich selber witzig nennen, aussehen lässt, als seien sie auf der Standspur der Komik liegengeblieben. Der zweite Vergleich ist ein musikalischer: "Eine Mischung aus Peter Licht und Bilderbuch. Seltsam und äußerst gut". Könnte sein, dass aufgrund derartiger Referenzen, die der Düsseldorfer Veranstaltungsort unkommentiert auf seine Website übernommen hat, ein paar potenzielle Zuschauer neugierig werden und ihren Weg ins zakk finden. Denn dort ist der junge Mann am 12. August mit seinem allerersten Soloprogramm zu erleben: "Heiterkeit als Recht auf Freizeit" heißt es.

Die künstlerischen Wurzeln des Jason Bartsch liegen im Poetry Slam. In puncto Qualität bedeutet das erst einmal gar nichts. Poetry Slam-Bühnen stehen bekanntermaßen jedem offen. Entsprechend bunt ist die Mischung aus Selbstverliebten, Gernegroßen, Einfach-nur-Lauten, Holzhammerhumoristen und Leuten, die tatsächlich eine Begabung fürs Texten und fürs Vortragen haben. Bartsch ist einer von ihnen. 2013 erklomm er zum ersten Mal eine Poetry Slam-Bühne. Da war er gerade 18. "Literatur an sich ist ja eigentlich etwas sehr Distanziertes", sagte er gegenüber der NRZ in einem Interview. "Poetry Slam ist das genaue Gegenteil." Er schätze diesen direkten, unverfälschten Moment, in dem man die Reaktion des Publikums bekomme. Die fiel bei Jason Bartsch von Anfang an fast immer positiv aus. Heute, fünf Jahre nach seinem ersten Mal, steht er immer noch auf Bühnen.

Der gebürtige Solinger war Finalist der U-20-Meisterschaften und Halbfinalist der deutschsprachigen Meisterschaften 2013 im Poetry Slam. Für seine Gedichte erhielt er den Preis des Treffens Junger Autoren 2013 und 2015, außerdem schaffte er es 2014 auf die Longlist des internationalen New Voices Award der PEN. Heute ist er als Moderator und Veranstalter tätig, organisiert unzählige Slams. Der mittlerweile 23-Jährige hat den Weg genommen, der für die guten unter den Poetry Slammern nicht ganz untypisch ist. Von den Mini-Auftritten hat er es mittlerweile zum abendfüllenden Programm gebracht. "Heiterkeit als Recht auf Freizeit" ist eine Melange aus Bühnentexten und humoristischen Songs, gespickt mit verträumtem Spoken Wort, nicht ohne ratternde Reime und unangenehm spitze Pointen. Bachmann-Preisträger seien empört gewesen, heißt es. Und eine Hausfrau habe mal vor Glück geschrien. Derart überzogene Reaktionen legen nahe, dass da mal wieder die Fantasie mit dem Künstler durchgegangen ist.

Fantasie hat Jason Bartsch reichlich. Im vergangenen Jahr erschien sein Debütalbum "4478 Bochum". Er konzipiert Live-Hörspiele, textet für Musikmagazine wie die Spex und hat bestimmt schon zwei schlechte Romane in der Schublade liegen. Wenn, ja, wenn das nicht alles gelogen ist.

12.8., 20 Uhr, zakk, Fichtenstr. 40, Düsseldorf, bei schönem Wetter findet die Veranstaltung im Biergarten statt!