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Gewichtsprobleme, Fashionfragen und Mister Big
Zum Internationalen Frauentag

Düsseldorf: Chick-Lit-Abend zum Internationalen Frauentag
Frau Achenbach liest Leichtes FOTO: Eric Remann
Am 8. März werden gemeinhin rote Rosen verteilt. Es wird über Frauenquoten, faire Bezahlung und Gleichberechtigung gesprochen. Alles wichtige Themen, findet Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW – und hat zum diesjährigen Internationalen Frauentag doch ein ganz anderes Format erdacht. Von Alexandra Wehrmann

Frau Jungclaus, am Internationalen Frauentag veranstaltet das Literaturbüro NRW den sogenannten "Chick-Lit-Abend", in dessen Rahmen es um die wirklich wichtigen Dinge des Frauenlebens gehen soll. Welche sind das?
Ich maße mir nicht an, das pauschal zu definieren. Aber laut der ChickLit-Romane sind es die Suche und Sehnsucht nach dem idealen Mann, das gespannte Verhältnis zur Waage, das perfekte Outfit, die beste Freundin, Klein- und Großkrieg im Job – was der Alltag so hergibt.

Vorgetragen werden Texte à la Helen Fielding, Jojo Moyes oder Ildikó von Kürthy. Texte, über die Denis Scheck und seinesgleichen mutmaßlich die Nase rümpfen würden, die sich aber extrem gut verkaufen. Was macht Ihres Erachtens den Erfolg dieser Bücher aus?
Die Autorinnen Fielding, Moyes und Co. stehen nur beispielhaft im Ankündigungstext. Die Textauswahl treffen die Lesenden selbst. Interessant wäre es zu wissen, ob Literaturkritiker wie Denis Scheck nach der Lektüre die Nase rümpfen oder sozusagen vorauseilend, denn die Frage impliziert ja – wohl zu Recht – dass ChickLit von der klassischen Literaturkritik nicht ernst genommen wird. Was die Bücher so erfolgreich macht ist wohl eine Mischung aus mehreren Komponenten. Sie spiegeln – wenn auch meistens überzogen – den ganz normalen Alltag wider, haben also hohes Identifikationspotential mit der tröstenden Nachricht: Du bist nicht allein mit deinen Problemen und Sorgen. Sicher geben die Bücher auch das Gefühl: Trotz Klimawandel, Zwangsbeschneidungen und Syrienkrieg haben auch meine kleinen Alltagssorgen eine gewisse Berechtigung. Vor allem aber sind die Bücher, jedenfalls die besseren, humorvoll und witzig und mit einer gewissen Distanz geschrieben. Die oben genannten Probleme werden zwar dramatisch geschildert, es schwingt aber doch immer das berühmte Augenzwinkern mit. Dazu kommt, dass die Bücher meist temporeich geschrieben und die Inhalte nicht allzu kompliziert sind. Sie lassen sich also schnell lesen und dementsprechend groß ist der Bedarf nach Nachschub.    

Gelesen werden die Texte an dem Abend von vier Damen aus Düsseldorf. Wonach haben Sie die Vorträgerinnen ausgewählt?
Es lesen Dorothee Achenbach, die eine Kunstberatungsagentur in Düsseldorf betreibt und nach zwei autobiografischen Büchern gerade ihren ersten Roman veröffentlicht hat, Mareile Blendl, eine Schauspielerin und Bloggerin, Latifa Lalee, ebenfalls Schauspielerin mit eigener logopädischer Praxis und Gaby Wenk, die schon vor vielen Jahren einen der allerersten E-Mail-Romane veröffentlicht hat und auf dem Feld der Sex-Beratung tätig ist. Gefragt habe ich die Frauen schier nach Bauchgefühl.

Sie arbeiten seit vielen Jahren beim Literaturbüro NRW. Mit dieser Art von Literatur haben Sie dort vermutlich eher selten zu tun. Gibt es denn Momente, in denen Sie schwach werden und die beschriebene seichte Kost konsumieren wie andere "Germany‘s next Topmodel" oder den "Bachelor"?Beruflich habe ich tatsächlich mehr mit anderen Genres zu tun, aber sonst: Warum "schwach" werden? "Bachelor" kenne ich nicht und "Germanys next Topmodel" würde ich als menschenverachtenden Zirkus bezeichnen. Aber ich habe alle Folgen von "Sex & the City" mindestens drei Mal gesehen und hatte extrem gute Zeiten mit Bridget Jones oder Louisa Clark.

Für die Lesung haben Sie einen passenden Veranstaltungsort ausgewählt. Den 2nd Hand-Laden "Lieblingsstücke" in Flingern. Darf an dem Abend auch anprobiert und gekauft werden?
Da müssen Sie die Inhaberin Susanne Weipert fragen. Ich glaube aber, man darf. Ansonsten einfach am nächsten Tag wiederkommen und das neue Lieblingsstück erwerben.

Am Internationalen Frauentag wird gemeinhin über Gleichberechtigung, gerechte Bezahlung oder Frauenquoten für Dax-Unternehmen diskutiert. Warum haben Sie als Veranstalterin sich für ein leichtes, selbstironisches Format entschieden?
Genau deswegen. Alle diese Themen halte ich für wichtig und noch lange nicht ausdiskutiert, aber manchmal finde ich diese Diskurse doch ein wenig verkrampft. Die Diskussionen um die Feiertagswürdigkeit des Frauentages beantworten wir jedenfalls jetzt schon mal – und feiern! 

Sind Männer an dem Abend eigentlich auch willkommen?

Unbedingt! Zumal: Wenn ich mich so vor den Zeitschriftenregalen im Hauptbahnhof und bei der Kosmetik in den Drogerien umsehe, scheinen mir die Themen unserer Bücher gar nicht so ausschließlich frauentypisch zu sein.

8.3., 19:30 Uhr, Lieblingsstücke, Bruchstr. 1, Düsseldorf, nur mit Anmeldung (maren.jungclaus@literaturbuero-nrw.de)