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Der Schweizer Faber gibt ein Konzert im zakk

Der Schweizer Faber gibt ein Konzert im zakk
Muss man nicht mögen, kann man aber. FOTO: Stefan Braunbarth
Es gibt viele Gründe, den Mann, der sich Faber nennt, nicht zu mögen. Er raucht eine Spur zu lässig. Er fährt sich zu häufig durch die dunklen Locken, die er zuvor sorgfältig zu einer Out-of-Bed-Frisur gestylt hat. Von Alexandra Wehrmann

Und dann beginnt sein Debütalbum auch noch mit den Zeilen "Es ist so schön, dass es mich gibt/Du hast Glück, dass du mich triffst". Zum Kotzen, finden die einen. Die anderen feiern den jungen Züricher als einen der besten Songwriter unserer Tage.

Faber stammt aus einer musikalischen Familie. Er wächst mit sizilianischen Volksliedern auf, er liebt Trubaci, die Chanson-Franzosen Jaques Brel oder Georges Moustaki, Polka, aber auch Folk. Diese musikalische Kinderstube hört man seinen eigenen Kompositionen deutlich an. Auf "Sei ein Faber im Wind" erklingen Posaunen und Gitarren, Geigen und ein Klavier. Und über all dem liegt die durch raue Mengen von Nikotin geformte Stimme des Sängers, des Songschreibers, des Frontmanns. Die Stimme desjenigen, der die großartigen Musiker, die mit ihm auf der Bühne stehen, zu Randfiguren degradiert. Faber muss man nicht mögen. Er ist wie er ist. Eine One-Man-Boygroup des Indie. Ein Narziss, wie er im Buche steht. Einer, von dem man in Zukunft noch viel hören könnte.

Als seine Platte im Juli vergangenen Jahres erschien, warfen sich viele Journalisten vor dem Wuschelkopf in den Staub. Nicht so die altehrwürdige "ZEIT". Sie widmete dem Züricher einen Verriss, der es in sich hatte. "Faber ist ein 23-Jähriger, der wie ein notgeiler 53-Jähriger singt und zu Eros Ramazzotti aufblickt, einem echten notgeilen 53-Jährigen", hieß es darin. Der Vergleich ist neben dem Habitus des Jungmannes auch seinen Texten geschuldet, denen man leicht Frauenfeindlichkeit unterstellen kann. "Jeder Jäger träumt von einem Reh/Jeder Winter träumt vom Schnee/Jede Theke träumt von einem Bier/Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir" heißt es an einer Stelle. Für derlei Benennungen ist Faber arg gescholten worden. Wenn man ihm Böses wollte, würde man sagen, er hat es genau darauf angelegt.

Und dann gibt es da noch den anderen Faber. Einen der seinen Sound als "Akustik-Punk für Mädchen" beschreibt und dabei überraschenderweise Selbstironie erkennen lässt. Einen, der sich politisch positioniert. "Die einen ertrinken im Überfluss/Die anderen im Meer/Ein Terrorist sprengt glücklich einen Flughafen leer" singt er und man wünscht sich, das wäre nicht heute noch genauso aktuell wie im vergangenen Jahr, als seine Platte erschien. Nun ist Faber also auf Tour. Seit vielen Wochen schon ist das zakk ausverkauft. 800 Zuschauer fasst die Halle. Wie viel Prozent davon Frauen sein werden? Es werden noch Wetten angenommen.