| 10.25 Uhr

Düsseldorfer Farbenspiele - Die Rathaus-Kolumne
Blut, Schweiß und Bölkerei

Düsseldorfer Farbenspiele - Die Rathaus-Kolumne: Blut, Schweiß und Bölkerei
FOTO: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Ingo Lammert
Der rote Teufelslappen ist erreicht: Letzte Sitzung des Düsseldorfer Stadtrates vor der Tour de France. Und erste Sitzung nach der Landtagswahl. Doch wer zunächst auch hier Streitlust und Leidenschaft erwartete, wurde bitter enttäuscht. In weiten Teilen war diese Sitzung zunächst so aufregend wie ein neutralisierter Start. Von Yvonne Hofer

Das Fahrerfeld dümpelte so vor sich hin. Blutarm. Dabei hatte sich eigens ein Blutspende-Mobil vor dem Rathaus postiert. Ein Insider mutmaßte auch gleich: Vielleicht wird da frisches Blut für die Politik geliefert...

Der erste Massenspurt zeichnete sich beim Thema EM-Bewerbung ab. Düsseldorf Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft? Team Telekom zieht an.

Verzeihung. Team FDP natürlich. Der Farbton Magenta irritiert bei den Freien Demokraten manchmal noch. Monika Lehmhaus kommt aus der Deckung, reißt aus. "Die Fußball-Europameisterschaft 2024 nach Düsseldorf zu holen sollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen."

Die Expertin weiß: "Fußball ist Sportart Nummer 1 in jedem Stadtteil. In jeder Familie ist er ein Riesenthema." Die EM sei das Sahnehäubchen für diese Sportart in Düsseldorf. "Und am schönsten wäre ein Spiel Holland gegen Düsseldorf!" Charmanter Versprecher einer charmanten Frau.

Der Kern der Botschaft: Wir machen Düsseldorf wieder groß. Aus dem Verfolgerfeld pirscht sich der Linke Georg Blanchard heran. "Beim Fußball sind sich alle einig. Warum ist die FDP für die EM aber nicht für die Tour?" Der Ruf verhallt, den Punkt holt sich das Peloton. Die Linke nimmt den Besenwagen, Düsseldorf bewirbt sich für die EM 2024.

Zäh, sehr zäh schiebt sich das Fahrerfeld den Berg hinauf. Wir warten darauf, dass jemand auf der Pressebank endlich den Udo Bölts macht und "Quäl' dich, du Sau!" ruft. Hat Jan Ulrich damals geholfen. Macht natürlich wieder keiner.

Thema Tour de France bzw. Grand Départ: Stefan Wiedon gibt jetzt bei der CDU den Frauenbeauftragten. Mehr Mädchen und Frauen im Düsseldorfer Radsport. Jawoll! Hat sich Düsseldorf eigentlich auch schon für die Frauen-Fußball-WM beworben?

"Was ist eigentlich mit dem Café Vélo?" will Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann wissen. Wenn es um die Tour geht, findet sie einfach immer eine Fahrradspeiche in der Suppe. Das mit dem Café haben wir uns auch schon gefragt. War ja länger zu. Sache des Unternehmers, wenn es nicht läuft, sagt OB Geisel. Auf- und Abbau der lustigen Leuchtbänke? Übernimmt alles Sponsor Cadman. Besonders positiv: Am Gewinn des Cafés ist die Stadt beteiligt. Welcher Gewinn? Das Fahrerfeld muss weiter.

Der übliche Knatsch beim Thema Schulbau. Ist wie bei Asterix auf Tour de France: Rollen oder werfen? Mieten oder kaufen? Aus dem Nichts taucht Mirko Rohloff (FDP) auf. Wir fragen uns: trägt er das weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer? Oder gibt er den Problembär? Keine Frage: Die FDP fühlt sich nach dem Wahlausgang in NRW natürlich bärenstark. Also einfach mal 'nen Angriff starten. Alle sind auf der Palme. Wir verbuchen das als schweißtreibendes Herz-Kreislauf-Training. Die alte Frage nach der Schuldenfreiheit ist in etwa so zielführend wie die Frage, ob der Radsport sauber ist.

Wir nähern uns dem Thema "KAP1". Wir ahnen: Das wird eine schwere Bergankunft. Doch die Luft reicht für eine veritable Bölkerei. Es geht um das alte Postgebäude am Hauptbahnhof. In dem Bunker-Charme soll Düsseldorfs neue Zentralbibliothek erblühen. Und FFT JuTa, Theatermuseum sowie Schulverwaltungsamt sollen am liebsten gleich mit hinein.

So hat es der Oberbürgermeister vorgestellt und setzt sich damit an den Kopf des Fahrerfelds. Geisel - Tête de la course.

Beim Standort für die neue Bibliothek sind sich tatsächlich mal alle einig. Das war es aber auch schon wieder. Das Gebäude sei ein "hässliches Entlein" stellt Rüdiger Gutt, Abteilung Attacke bei der CDU, fest. CDU-Schöngeist Dr. Alexander Fils, träumt - wie immer - vom ganz großen architektonischen Wurf. Die Domestiken im Team Oberbürgermeister (Ampel) übernehmen.

 Als "unlauter" empfindet Norbert Czerwinski von den Grünen alles von der CDU. SPD-Chef Markus Raub sieht wieder einmal rot. Weil CDU-Chef-Visionär Andreas Hartnigk anregt, man könne ja dem Besitzer des Postgebäudes vorschlagen, Gebäude und Grundstück gegen die alte Kämmerei am Marktplatz zu tauschen. Und dann am Bahnhof neu bauen.

Dem Oberbürgermeister platzt der Kragen: "Wir sind doch keine Idioten!" Eine Erklärung, die er in dieser Sitzung gleich mehrfach abgibt.

Die endgültige Entscheidung wird um 20 Uhr in den nicht-öffentlichen Teil verschoben.

Der rote Teufelslappen erreicht. An dieser Stelle wissen Radsportler: Noch ein Kilometer bis zum Ziel. Dort wird dann die Anmietung des KAP 1 beschlossen – eine Bergankunft der schwersten Kategorie mit Blut, Schweiß und Bölkerei...